Erfahrungsbericht: Topre dental band mod

Was macht man, wenn die Mecha zu laut ist? Viele, die sich schon ein wenig in die Materie eingearbeitet haben, werden jetzt gelangweilt sagen: „O-Ringe!“. Das stimmt nur bedingt. Denn bei Tastaturen mit Topre-Schaltern muss ein wenig mehr Hand angelegt werden.

Was macht Topres laut?

Topre-Schalter machen zwei Arten von Geräuschen: Ein tiefes „Tock“ beim kompletten Durchdrücken und ein hohes „Klack“ beim Loslassen einer Taste.  Von vielen wird das für Topres als charakteristisch bezeichnete „Tock“ als sehr angenehm, das „Klack“ allerdings als störend empfunden. Dieses sog. Upstroke-Geräusch entsteht dadurch, dass der Slider beim Hochschnellen gegen Metallplatte oder PCB stoßen.

Jetzt wird auch klar, warum O-Ringe hier nicht die Lösung sein können. Die Geräusche, die wir dämpfen wollen, kommen nicht vom Durchdrücken, sondern vom Loslassen der Tasten. O-Ringe werden über die Kappen gezogen und dämpfen dann die Geräusche, die entstehen, wenn die Taste ganz durchgedrückt und die Kappe die Metallplatte oder das PCB erreicht.
Bei den Topres verursachen aber nicht die Kappen, sondern die Slider das Geräusch. Sie sind es, die von unterhalb der Platte anstoßen. Zur Dämpfung dieser Geräusche gibt es einen leichten Mod, den ich an meiner CoolerMaster NovaTouch probiert habe und den ich euch heute vorstellen möchte: den „dental band mod„.

Topre Dental Band Mod

Eine Packung Zahnspangengummis.
Eine Packung Zahnspangengummis.

Dental bands sind Zahnspangengummis. Sie erinnern an O-Ringe, sind allerdings dehnungsfähiger. Der Vergleich zu O-Ringen ist auch gar nicht so weit hergeholt. Im Prinzip installieren wir ja O-Ringe – nur eben auf den Slidern und nicht auf den Kappen. Das heißt allerdings auch, dass der Mod nicht ganz so unaufwändig ist wie das Aufziehen von O-Ringen. Viel technisches Geschick bedarf es dennoch nicht. Benötigt werden: ein Schraubenzieher, ein Tool zum Abziehen der Kappen, besagte Ringe und ein wenig Geduld. Aber Achtung: Durch das Öffnen der Tastatur verliert ihr jegliche Garantieansprüche!

Das Vorgehen

Nachdem also alle Kappen abgezogen und bei Seite gelegt worden sind, muss das Gehäuse aufgeschraubt werden. Auf dem Rücken der Tastatur befinden sich dazu vier Schrauben. Zwei, die sich in direkt sichtbaren Löchern am rechten und linken Rand der Tastatur, direkt neben den Aufstellfüßchen befinden. Eine, unter dem zu ignorierenden „do not remove“ Aufkleber. Und eine, die ich erst entdeckt habe, als ich schon eine Weile vergebens versucht habe, die Oberschale abzunehmen. Sie versteckt sich unter dem großen Aufkleber mit der Seriennummer, etwa mittig rechts, zwischen Serien- und Modellnummer. Tricky, CoolerMaster, tricky!

Position der Schrauben.
Position der Schrauben.

Jetzt kommt der Teil, der mich persönlich am meisten nervt: das Entfernen der Oberschale. Diese ist ähnlich zu anderen Tastaturen mit Plastiklaschen angebracht, die man nun mit Hilfe einer Kreditkarte oder eines stumpfen Messers aufhebeln muss. Dazu steckt man beispielsweise die Karte zwischen die Fuge und hebelt so lange herum, bis man ein leichtes Klicken hört.
Schaut euch am besten vorher im Internet an, wie viele Laschen es gibt und geht dann ein mal rund um die Tastatur. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, kommt euch die Oberschale ein Stückchen entgegen und ihr könnt sie einfach abnehmen. Benutzt niemals Gewalt! Falls sie sich nicht einfach abnehmen lässt, habt ihr entweder – so wie ich eine Schraube – oder eine Lasche übersehen.

87 Federn, die sich gerne auf dem Schreibtisch verteilen wollen.
87 Federn, die sich gerne auf dem Schreibtisch verteilen wollen.

Was ihr jetzt vor euch habt, sind PCB und Metallplatte. Die Metallplatte muss jetzt noch runter. Dazu legt ihr die Tastatur mit den Schaltern nach unten hin und entfernt die unzähligen Schrauben. Wenn ihr das gemacht habt, drückt das PCB gegen die Platte und dreht das ganze erst mal um. Was ich gemacht habe: PCB runtergenommen. Resultat: 87 Federn liegen vor mir. Daher erst umdrehen und dann die Platte abnehmen ;-). Die ist es auch, die ihr jetzt noch braucht. Das PCB mit Federn und Gummimatte legt ihr vorsichtig bei Seite.

Vor euch liegt nun die Metallplatte mit den Slidern. Die Slider könnt ihr ganz einfach aus der Platte herausdrücken: einfach mit etwas Kraft die von unten gegen die Slider drücken und sie fallen heraus. Über jeden dieser Slider zieht ihr nun einen Zahnspangengummi.
Danach die Platte wieder aufs PCB, vorsichtig umdrehen, Schrauben rein, ab ins Gehäuse, die Oberschale draufdrücken und die vier Schrauben am Rücken reindrehen.

Zahnspangengummi auf dem Slider.
Zahnspangengummi auf dem Slider.

Das Ergebnis

Das Ergebnis ist sofort zu hören. Der Klang meiner Tastaur ist viel tiefer und satter. Es macht wirklich Spaß beim Tippen und Zuhören. Von der Gesamtlautstärke ist die NovaTouch jetzt angenehm leise – aber natürlich nicht lautlos. Leider hatte ich nichts zum Schmieren der Stabilisatoren zur Hand, sonst wäre das Klappern, das ihr in der Soundaufnahme gut hören könnt, auch Schnee von Gestern.
Alles gut, könnte man meinen. Wären die Federn jetzt nicht plötzlich zu hören. Es ist kein Pingen wie bei MX-Schaltern, mehr ein Knarzen, eine kurze Vibration der Feder. Relativ leise und gut zu überhören, aber es stört mich trotzdem irgendwie. Ganz klar ist aber: die Tastatur klingt besser als vorher – nur noch nicht perfekt.
Eine zweite und aufwändigere Möglichkeit ist die Installation von Schaumstoffplättchen, statt der Zahnspangengummis. Diese müssen aber erst aus den USA importiert, auf die richtige größe zugeschnitten und platt gebügelt werden. Ziemlich viel Aufwand.

Ob ich den Zahnspangenmod empfehle? Das verrate ich euch an anderer Stelle. Die Schaumstoffplättchen habe ich schon bestellt.

Audioaufnahmen

Hier noch die Audioaufnahmen für den Vorher-Nachher-Vergleich:

3 Gedanken zu “Erfahrungsbericht: Topre dental band mod

  1. Interessant wie unterschiedlich unsere Erfahrungen ausfallen.
    Mir hat der stark verringerte Weg zur Auslösung nach einer Zeit ein wenig den Spaß daran verdorben. Die Geräuschkulisse ist schon ziemlich cool, der verringerte Weg nimmt aber viel von der „Taktilität“ 🙂

    • Ich merke das gar nicht so sehr. Mich stört nur das Geräusch der Federn extrem. 😀
      Deswegen sitze ich auch grad am foam pad mod. 🙂
      Wahrscheinlich führt letztlich eh kein Weg an ner Type-S vorbei! 😀

  2. Geiler Bericht und imho klingen die Topre mit dem dental Mod auch mal richtig nice. Könnte mir vorstellen, dass die net so schnell abnerven wie MX Blue

    Cooler Artikel, danke dir dude =)

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