The WhiteFox – die wohl schönste 65%-Mecha der Welt

Quarzer hat sich das WhiteFox Keyboard gekauft und berichtet hier von seinen Eindrücken mit dem 65%-Keyboard.

Hallo werte Leser,

Packung der WhiteFox
Packung der WhiteFox

das ist mein erstes ernstzunehmendes Review. Aktuell noch drei Tage gibt es die Tastatur bei Massdrop. Bei Fragen immer raus damit. Die versuche ich so schnell wir möglich zu bearbeiten. Wenn ihr Fotos von bestimmten Sachen haben wollt, schreibt es einfach in die Kommentare und ich werde es zeitnah machen. Vor allem für die, welche noch nicht sicher sind, ob sie noch zugreifen sollen oder nicht.

Vorgeschichte

Lange bin und war ich auf der Suche nach DER Tastatur für meinen Hausgebrauch.
Für die Arbeit habe ich die perfekte Kombi aus einer Ducky Black Mamba (TKL mit einem Ergo-Clear-Mod [62g Federn]) und einer Numpad von Leopold, welches den gleichen Ergo-Clear-Mod jedoch mit 67g Federn aufweist. So konnte ich viel testen und stellte fest, dass ich genau den Mittelweg haben möchte: 65g.

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Ergebnis

Zudem hatte ich in Laufe meiner Mecha-Laufbahn schon viele verschiedene Tastaturen und somit Switches testen können und habe die meisten schon nach kurzer Zeit wieder abgestoßen und mich nach Neuem (subjektiv Besserem) umgesehen. Letztendlich kam mir die Erkenntnis, dass ich für Zuhause weder eine Fullsize noch eine TKL-Mecha haben möchte und habe mich intensiver mit 60%-Mechas vertraut gemacht. Weder brauche ich groß den Block über den Cursor-Tasten, noch brauche ich die F-Tasten.
Aber was ich nicht missen möchte, waren eben die Cursor-Tasten. Dies wäre an sich gar nicht so schwierig, möchte man nicht gerade eine Tastatur im ISO-DE-Layout.

Ich finde einen weißen Fuchs

Also suchte und recherchierte ich und wurde letztendlich bei der WhiteFox fündig.
Diese wurde von Matteo (Designer der bekannten Granite-Keycaps) entwickelt und wird ausschließlich über Massdrop vertrieben. Der erste Drop war leider schon vorbei, als ich auf die WhiteFox aufmerksam wurde und ich musste mich daher gedulden.

Im Juli 2016 war es dann soweit. Ein neuer Drop. Ich habe direkt zugeschlagen. Zur Auswahl stehen verschiedenste Schaltertypen. An sich alles was man sich denken kann, mit Ausnahme von Topre.
Aber da ich mir treu bleiben wollte, gab’s für mich nur eine Entscheidung: MX-Clear. Unbehandelt einer der schlimmsten Switches. Aber eine neue Feder und ein wenig Schmiermittel verwandelt diesen zum besten, was ich je befingern durfte.

Doch dazu kam es gar nicht, denn ein netter Forenmember wollte seine WhiteFox loswerden, da er sich nach einem halben Jahr Wartezeit doch für eine andere Tastatur entschieden hat. Zudem hatte er auch die richtigen Federn für mich über und 250€ wechselten den Besitzer.
Das ist der Preis mit dem man rechnen muss, wenn man die Mecha jetzt bestellt. Es kommen ja „leider“ immer noch 19% Einfuhrumsatzsteuer hinzu. Und man muss wohl mindestens ein halbes Jahr warten, bis man sie in den Händen halten kann.
So, und nun genug Blabla. Kommen wir zum eigentlichen Punkt.

Verpackung & Zubehör

Die bisher hochwertigste Verpackung, die ich für eine Tastatur je gesehen habe: Dicke Pappe und alles fein säuberlich aufgeräumt und verpackt.

offene Klappe
offene Klappe

Zudem ist wirklich allerhand an Zubehör dabei:

Zubehör
Zubehör
  1.  Keycaps aus dickem PBT-Kunststoff für alle angebotenen Layouts. Man könnte diese Keycaps also durchaus auch für 60% ANSI-Mechas verwenden, wenn man für die WhiteFox andere hernimmt.

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    Keycaps
  2.  Da die Tastatur ja flach geliefert wird, sind sowohl Stützen aus Alu, als auch kleine Aufkleber für die Vorderseite dabei, um den Winkel etwas anpassen zu können.
    Dass für die vordere Seite eine solch „billige“ Lösung gewählt wurde, finde ich etwas schade. Aber die hinteren Stützen sind richtig fein und sehen verdammt gut aus und fühlen sich auch so an.
    Die Stützen verhindern zwar leichtes Rutschen, aber ganz so unverrutschbar wie eine Ducky oder eine Filco liegt sie leider nicht da. Trotzdem bräuchte man unfassbar viel Wut, um sie über den ganzen Tisch schieben zu können.

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    Inbus-Schlüssel
  3. Beiliegend waren auch die weißen LEDs, welche ich aber nicht nutzen werde, da ich sonst die Switches nicht wieder öffnen kann. Wer diese nutzen möchte, kann sie selbst einlöten oder bekommt sie von Massdrop eingelötet.
  4. Schrauben für die hinteren Füßchen und eine kleiner Inbus-Schlüssel, welcher für alle Schrauben verwendet werden kann.
  5. Ein sehr schönes, langes gesleevtes Kabel (1,90 m), welches optisch perfekt zur Mecha passt. Mini-USB hätte mir im übrigen besser gefallen als Micro-USB. Aber das ist ja Geschmackssache
Kappe von unten

Ich finde es etwas schade, dass kein Keypuller beigelegt wurde. Sicherlich haben die meisten wohl einen zu Hause rumliegen, aber irgendwie trübt es die sonst perfekte Aufbereitung und Darstellung.

Verarbeitung

Mit der Verarbeitung gehe ich etwas schwanger. Ich habe ja wie oben erwähnt meine Arbeitsmecha mit perfekt sitzenden Switches und das hört man auch. Sie ist verdammt leise für eine Mecha.

Sound-Vergleiche:

  • P1160597Ducky Black Mamba: klick (mit O-Ringen)
  • WhiteFox: klick (ohne O-Ringe)

Die Switches der WhiteFox sind NICHT so fest. Dies hat aber auch einen ganz einfachen Grund. Denn wir oben schon erwähnt, können die Switches geöffnet werden OHNE löten zu müssen („Phantom Plate“).
Mit einem einfachen kleinen Schlitzschraubenzieher kann ein Schalter geöffnet und die Innereien (Federn, Sticker, Schmiermittel, Stems) ohne Probleme und zügig geändert werden. So kann ich innerhalb weniger Zeit aus einer Red-Switch-Mecha eine Blue-Switch-Mecha machen und sogar deren Federstärken ändern.

P1160598Das ist in meinen Augen eine super Sache und auch einer der Gründe, warum ich zur WhiteFox gegriffen habe. Dies geht dann nun mal etwas zu Kosten der Akustik und vielleicht auch etwas der Haptik.
Leider wurden auch Plate-Mounted-Switches und keine PCB-Mounted-Switches verbaut, welche nochmal etwas weniger Stabilität geben. Wenn man möchte, kann dies natürlich nochmal geändert werden, wenn man selbst nochmal zum Lötkolben greift und das Housing eines PCB-Mounted-Switches einlötet.

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weiße LEDs

Sonst ist vor allem das Alu-Gehäuse wunderschön. Keine scharfen Kanten und optisch ein echtes Highlight. Die Spaltmaße zur Plate sind leider nicht durchgehend gleich. Aber das ist dann schon Meckern auf hohem Niveau, weil die Abstände wirklich nur minimal sind.

Tastenkappen & USB

Die Keycaps sind die bisher besten, die ich je unter den Fingern hatte. Wirklich ein Genuss mit ihnen zu schreiben. Die Oberfläche ist leicht angeraut und fühlt sich einfach toll an.
Das Profil kann ich gar nicht genau benennen. Aber es müsste OEM oder Cherry sein. Sie bestehen wie gesagt aus dickem PBT-Kunststoff und sind mit dem dye-sublimated-Verfahren „bedruckt“ wurden. Das Design erinnert nicht ohne Grund an das Granite.

P1160594Und jetzt kommt leider das ABER. Es sind US bzw. UK-Beschriftungen und keine DE-Variante dabei. Wenn man also auf ISO-DE schreiben möchte, muss man nochmal ein extra Set an Tastenkappen besorgen, was bekanntlich nicht ganz so leicht ist.
Zudem ist die Reihe über den Cursor-Tasten auch nicht einfach zu belegen, da diese unterschiedliche Profile ausweist.
Mit Blanks sollte sich da aber eine Möglichkeit finden lassen. Oder man ändert nur die Alphas + Zahlen und behält die Mods der WhiteFox bei. Sobald ich die Tai-Hao-Kappen bekommen habe, werde ich schauen, wie ich das lösen werde.

Laut Matteo wiegt das gute Stück im Übrigen um die 700g.

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USB-Kabel

Der USB-Anschluss ist ziemlich fest verlötet und hat nur ganz leichtes Spiel. Der USB-Stecker sitzt gut stramm, ohne Angst haben zu müssen, dass dieser bei der kleinsten Unachtsamkeit rausrutscht. Er lässt sich auch ohne Gewalt anschließen.
Wie ich finde: nahezu perfekt.

Funktionen

Nicht nur das die Whitefox hübsch aussieht, nein sie hat auch unbegrenzte Möglichkeiten.
Es sind bis zu 8 verschiedene Layer programmierbar und das für jede einzelne Taste. So kann auf jeder Taste 8 verschiedene Sachen drauf sein.
Wie das funktioniert möchte ich hier kurz erläutern:

  1. Man begebe sich auf folgende Seite: klick und lade sich die genannten Tools herunter.
  2. Man folge den Anweisungen und installiere den neuen Treiber.
    (Der Resetknopf befindet sich in dem kleinen Loch auf der Rückseite der Tastatur)
  3. Nun kann man auf folgender Seite aussuchen, wie man die Tasten belegen möchte: klick.
    Hier drauf achten, dass man auch das korrekte Layout der Whitefox auswählt (in meinem Fall ISO).
  4. So habe ich auf meine Tasten rechts neben Enter Multimediatasten eingerichtet und es ist noch viel mehr möglich.

Also die Funktionen sind überragend und auf alles anwendbar. Es sind eigentlich keine Grenzen gesetzt!
Es ist auch möglich ein Layer dauerhaft aktiv zu halten ohne Fn halten zu müssen. Sehr feine und recht einfache Sache. Wenn es dazu fragen geben sollte, könnt ihr euch jederzeit an mich wenden.

Wenn es euch immer zu müßig ist, den Reset-Knopf zu drücken, ist es sogar möglich eine Taste extra mit Flash zu belegen. Zum Beispiel über FN + Druck oder so! Sehr gut

Fazit: WhiteFox Keyboard

geöffnete WhiteFox
geöffnete WhiteFox

Das Fazit fällt immer besser aus, je länger ich die Kleine nutze:

Pro:

  • einfach wechselbare Switches
  • perfektes Layout –> Klein aber mit Cursor-Tasten
  • sehr gute Keycaps
  • sehr hochwertige Verarbeitung
  • P1160592voll programmierbar
  • optisch ein Leckerbissen
  • sehr gutes Kabel
  • hintere Stützfüßchen richtig fein

Contra:

  • P1160591kein Keycap-Puller dabei
  • Switches sitzen nicht ganz so stabil wie andere übliche Mechas, bei denen der Switch nicht gewechselt werden kann
  • dadurch etwas lauter als andere (aber im Vergleich immer noch leise und mit O-Ringen wird sie nur noch leiser)
  • leider kein ISO-DE dabei
  • alternative Keycaps recht teuer, wegen des Layouts rechts neben Enter
  • P1160590vordere Stützfüßchen eigentlich ein Witz (leider)

Kommen wir zum Schluss zum Preis: Je nach Switch-Typ muss man wohl so mit 250€ bis 300€ rechnen.
Das wird so der Preis sein, der am Ende dabei rum kommt. Zoll kommt keiner drauf, da es eine Tastatur ist und diese vom Zoll befreit sind, aber eine Einfuhrumsatzsteuer von 19% ist leider zu bezahlen.

P1160589Wenn man ohne Switches bestellt (nur das Barebone) ist man mit knapp 170€ für alles im Boot.
Wenn man dann noch auf ISO-DE gehen möchte, muss man nochmal extra Keycaps besorgen. Das sollte man nicht vergessen.

Alles in allem brauche ich nur noch die richtigen Caps und und ich bin ein sehr glücklicher Besitzer einer richtig, richtig feinen Tastatur.
Die Contras können die Pros mitnichten aufwiegen, weswegen ich fast eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben würde, wäre da nicht der hohe Preis und die sehr hohe Wartezeit.

Bis bald!

Impressionen des kleinen Schneefuchses:


IMGUR-Album (klick)


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4 Gedanken zu “The WhiteFox – die wohl schönste 65%-Mecha der Welt

  1. Sehr schöner Bericht. Optisch ist das Teil nicht ganz mein Geschmack aber die Phantom Plate und andere Spielereien machen das Teil schon interessant.

    Interessant, dass du nicht zu den Sammlern zählst 🙂

    • Ich hab mir das Board auch bestellt und zähle mich auch nicht zu den Sammlern. In letzter Zeit habe ich einiges an Mechas abgestoßen. Ich möchte wirklich nur die Teile behalten, auf denen ich gerne tippe. Wenn ich merke, dass ein Board nur im Schrank liegt, dann kommt es halt wieder weg. 🙂

  2. Ich meine, ich bin ja wirklich interessiert an mechanischen Tastaturen und habe im Laufe der letzten zwei Jahre auch einiges an Keyboards (die üblichen Verdächtigen, nix exotisches) getestet und derzeit auch so ca 12 noch im Besitz, aber jetzt hier Federn einstellen, auswechseln. DIY etc wäre mir dann doch zu viel des Guten. Nur weil man Autos gerne mag, und auch mehr und detaillierter als Ottomnormalverbaucher, heißt ja nicht das ich nicht erst glücklich werden kann, wenn ich das Auto nicht jede Woche einmal auseinander bauen und wieder zusammen setzen kann. 🙂 Netter Bericht trotzdem. Immer wieder Wahnsinn wie weit ein Hobby gehen kann…

    • Ich würde den Vergleich mit dem Auto eher so ziehen: Das Auto einmal komplett so konfigurieren und zusammenbauen, wie man es haben will und dann seine Ruhe haben. Haut beim Auto verschleißbedingt nicht ganz hin, bei der Mecha aber vermutlich schon. Sprich: Einmal nach Wunsch alles zusammenstellen – was ggf. ein paar Anläufe braucht, bis man mal die Lieblingsschalter etc. gefunden hat – und dann die hoffentlich „pefekte“ Mecha für sich haben.

      Aber mit den Hobbys hast du vollkommen recht. Seit ich selbst Teil einer für Außenstehende obskuren Hobbyszene bin sehe ich viele Dinge mit einem anderen Blickwinkel. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass es für jedes noch so absurd erscheinende Ding irgendwo eine Gruppe Menschen gibt, die sich enorm und für andere in unverständlich hohem Maße für diese Sache begeistern kann. Finde ich toll! 🙂

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