Review: Uniqey Q100 mit QMX-Clips

Die Uniqey Q100 ist die lang erwartete Tastatur von GMK mit deren Doubleshots. Doch auch abseits der Tastenkappen soll diese mechanische Tastatur einiges bieten.

Kollege Daniel (aka bnoob) durfte ja 2015 schon ein Vorserienmodell testen, war aber an ein NDA gebunden. Ich kann hier nun das fertige Serienprodukt begutachten und vorstellen.

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Eine Uniqey Q100 von GMK, in individueller Zusammenstellung.

Der Weg zur eigenen Uniqey Q100 beginnt auf der Website des Herstellers, Uniqey.net, beim Keyboard-Designer.

Multitool mit Austauschfüßen
Multitool mit Austauschfüßen

Hier macht sich GMK auf, eine mehr als ersthafte Konkurrenz zu WASD Keyboards aus den USA zu sein.

Toll: Es gibt eine eindeutige Artikelnummer, die die Konfiguration zu 100% widerspiegelt und so auch zum Weitergeben geeignet ist, da der Konfigurator bei Eingabe einer Artikelnummer die entsprechende Zusammenstellung anzeigt.

Es existieren etliche Auswahlmöglichkeiten, die meist einen kleinen Aufpreis nach sich ziehen. In der Summe wird es aber schnell teuer: der Preis startet bei 265€ und kann bis 338€ getrieben werden – die Konfiguration im Test mit der Nummer ZAW-GE-2A111-ACDHABA liegt bei 313€.

EigenschaftBeschreibung
Layoutfullsize ISO-DE (auch US-ANSI erhältlich)
SchalterCherry MX Brown
(auch mit MX Black, Blue, Clear, Red erhältlich)
Anschlussmini-USB
Kabel1,5 m
Key-RolloverNKRO
Maße (BxTxH) [cm]
(lt. Hersteller)
46,5 x 15,5 x 2,9
Masse1,4 kg
BesonderheitenABS-Doubleshots,
Bluetooth,
Alugehäuse
Preisab 265€

Lieferumfang

Mini-USB-Anschluss an der Tastatur
Mini-USB-Anschluss an der Tastatur

Die schlichte weiße Packung kommt mit der mechanischen Tastatur selbst in einem weißen Schutzvlies, das auch zum Transport gut verwendbar ist.
Dazu gibt es ein „Multitool“ aus Plastik, vier Austauschfüße, eine Anleitung und Garantiehinweise auf Deutsch und Englisch.
Weiterhin liegen ein ebenfalls weißes Microfasertuch mit Uniqey-Logo und ein schwarzes USB-Kabel mit 1,5 m Länge bei.

Design

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Q100 von vorne…
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…und von hinten.
USB-Kabel
USB-Kabel

Das in Deutschland gefertigte Gehäuse besteht rundum aus Aluminium. Beim vorliegenden Testgerät sind die Seitenteile silberfarben und der Mittelteil schwarz. Optional Seitenteile ebenfalls aus verschiedenen echten Holzarten (Birne, Mahagoni, Walnuss, Zebrano) geordert werden.
Ich hatte direkt beim Auspacken schon Angst vor Kratzern, was sich zum Glück aber als unnötig herausgestellt hat.

Die Varianten ISO-DE oder US-ANSI werden angeboten, jeweils mit Nummernblock (100%-Layout). Offensichtlich handelt es sich bei unserem Testmuster um das in Deutschland übliche ISO-DE.
Übrigens: im Laufe des Jahres will GMK noch eine weitere Tastatur vorstellen. Man experimentiere „mit verschiedenen Größen bzw. Formfaktoren“ heißt es hierzu von der Firma.

Unterseite der Uniqey Q100
Unterseite der Uniqey Q100
Hohe Aufstellfüße,...
Hohe Aufstellfüße,…

Das abnehmbare Kabel ist nicht gesleeved, dafür aber sehr flexibel. Negativ bewerte ich den um 90° angewinkelten Mini-USB-Stecker, denn selbst mit dem beiliegenden Multitool ist es ziemlich schwer, den Stecker (funktionsfähig) wieder aus der Tastatur zu bekommen. Einen geraden Stecker würde ich hier bevorzugen – am besten gleich USB-C.

Auf der Gehäusenterseite, die ebenfalls aus Alu besteht, finden sich sechs Torx-Schrauben und der Typenaufkleber. Letzterer samt TÜV- und GS-Zeichen!

mittlere und...
mittlere, und…

Eine weitere Eigenheit sind die Aufstellfüße mit Gummi: es sind vier verbaut, zwei Paare zum Austauschen liegen bei. Unterschiedliche Anstellwinkel bzw. Fußhöhen sind nämlich durch unterschiedliche Füße und nicht durch deren Klappen realisiert; so ist ebenfalls negative Neigung (d.h. nach vorne) möglich.
Die Rutschfestigkeit läßt aufgrund der kleinen Gummiflächen trotz des hohen Gewichts der Mecha leider zu wünschen übrig.
Ein weiterer Kritikpunkt: beim ersten Einstecken der Austauschfüße schob sich jeweils etwas Plastik ab. Das ist zwar erst mal nicht weiter schlimm, aber dennoch etwas unschön.

...niedrige Füßchen.
…niedrige Füßchen.

Das war’s aber dann auch mit Verbesserungspotential: die exzellente Verarbeitung und die edle Haptik begeistern, es ist kein Verwinden oder Durchdrücken möglich, auch bei großem Kraftaufwand gibt es kein Flexen.
Es gibt genau zwei überhaupt sichtbare Spalten, diese mit gleichmäßigen und sehr geringen Maßen.

Schalter

Die Auswahl im Konfigurator von Uniqey besteht aus fünf Typen von originalen Cherry-MX-Switches: Brown, Red, Blue, Clear, Black.
Das Review-Sample verfügt über MX-Browns, also leichte, taktile Schalter ohne „Klick“.

Cherry MX-Browns mit QMX-Clips
Cherry MX-Browns mit QMX-Clips

Die Switches sind auf auf einem schwarz lackierten PCB montiert, eine Metallplatte (plate) gibt es nicht. Unter den größeren Tasten finden sich Cherry-Stabilizer, die ich persönlich gegenüber dem Typ Costar bevorzuge.

N-Key-Rollover (NKRO) ist gegeben, wie der bekannte Online-KRO-Test bestätigt.
Die Spieletauglichkeit konnte anhand mehrerer Games getestet werden und kann ohne Zweifel attestiert werden.

Stabilizier und Leertaste
Stabilizier und Leertaste – und Bluetooth-Chip!

Auch längere Texte bewältigt die Uniqey absolut anstandslos, allerdings bevorzuge ich persönlich eine Handballenauflage (HBA) – natürlich besitze ich aber eine separate aus Leder (im TKL-Format).
Keine Probleme hatte ich auch am MacBook (OS X 10.11 El Capitan), angeschlossen per USB. Hier muss man natürlich beachten, dass die Tastenbelegung nicht ganz der Beschriftung entspricht und z.B. standardmäßig die Windows-Taste als Command-Taste interpretiert wird.

QMX-Clips

GMK QMX-Clip
GMK QMX-Clip

Eine weitere Besonderheit stellt diese spezielle Entwicklung von GMK zur Geräuschdämpfung dar. So ein QMX-Clip dämpft laut Hersteller um satte 10 dB – und im Gegensatz zu O-Ringen auch beim Loslassen, da am Clip aus transparentem Kunststoff beidseitig Gummis verbaut sind.
Ein entsprechendes Loch für die LED eines Schalters zur Tastenbeleuchtung ist prinzipiell ebenfalls vorhanden. Natürlich verringern die Clips den Hub merkbar ein wenig, ähnlich wie O-Ringe, aber nicht schlimm.
Das Ergebnis kann sich hören lassen, ich bin immer noch erstaunt wie leise die Q100 mit den QMX-Clips tatsächlich ist, sogar etwas leiser als der bisherige Spitzenreiter, die Matias Quiet Pro.

So liegt der Clip dann bei gedrückter Taste an.
So liegt der Clip dann bei gedrückter Taste an.

Die Clips funktionieren also wunderbar, das bekannte leichte Kratzen/Schleifen der MX Browns ist aber noch zu hören, hier kann man mit Schmiermittel (lube) selbst noch eine deutliche Verbesserung erzielen.

Für dieses Extra werden übrigens 15€ Aufpreis im Keyboard-Designer fällig. Die Clips sollen aber auch einzeln als Zubehör vertrieben werden. Laut GMK kann man sie über Uniqey.net in etwa zwei Wochen bestellen.
Über Massdrop waren sie sogar schon erhältlich; dabei wurde auch ein kleines Werkzeug zum einfacheren Aufsetzen und Wiederabziehen mitgeliefert.

Um den Effekt der QMX-Clips zu demonstrieren, habe ich etwas auf unsere Soundcloud hochgeladen: Zuerst kommt die Uniqey Q100 mit MX Browns ohne Clips, dann mit. Darauf folgt zum Vergleich die QPad MK-80 mit MX Browns und konventionellen O-Ringen und zum Schluss die Cooler Master Novatouch mit Topre-Schaltern und PBT-Kappen. Auf jeder Tastatur sind zunächst fünf schnelle Anschläge gefolgt von zwei langsamen zu hören.

Weitere Besonderheiten

Zusätzlich zur normalen USB-Verbindung über Kabel kann die Q100 ebenso per Bluetooth 2.1 + EDR mit Rechnern, Tablets und Smartphones kommunizieren. Hierzu stehen drei Speicherslots bereit, um ohne neues Pairen zwischen verschiedenen Geräten umschalten zu können.
Schade: von meinem Microsoft Lumia 950 (Windows 10 Mobile Anniversary Update) wurde die Tastatur nicht gefunden; mit einem Sony Xperia Z3 compact (Android 6 Marshmallow)  klappte aber alles hervorragend.
Zur kabellosen Tastatur mutiert dabei die Uniqey trotz Funk nicht, denn sie hat keinen Akku oder Batterien, daher muss sie auch für Bluetooth-Betrieb immer an einer Stromquelle angesteckt sein.

Anzeigen über dem Nummernblock
Anzeigen über dem Nummernblock

Einen einzelnen USB-Steckplatz findet man an der linken Rückseite. Dieser ist für eine Maus gedacht, Speichersticks werden darüber nicht erkannt und passen meist ohnehin nicht in die Lücke.
Eine angeschlossene Maus wird übrigens auch über Bluetooth „durchgereicht“.

Eine Beleuchtung fehlt übrigens in der langen Ausstattungsliste, obwohl die QMX-Clips dafür ja kein Hindernis wären. Aber Backlight braucht bzw. will ja ohnehin nicht jeder und würde transparente Kappenbeschriftung erfordern.
Die Helligkeit und Farben der Anzeigen über dem Nummernblock können per Tastenkombination verändert werden. Die Aufzeichnung von Makros ist ebenso möglich.

Medientasten existieren über Fn-Doppelbelegung von F6 bis F11. Ebenso bietet die Q100 Shortcuts für die Startseite (Fn+Druck), die Windows-Suche (Fn+Rollen) und den Rechner (Fn+Pause) an. Praktisch.

Tastenkappen

Die Tastenkappen in verschiedenen Farben...
Die Tastenkappen in verschiedenen Farben…

Wie bereits anfangs erwähnt: die Tastenkappen sind die berühmten GMK-Doubleshots aus dickem ABS. Diese haben Cherry-Profil (zylindrisch), eine sehr angenehme Oberfläche und keine Unebenheiten. Die Buchstaben sind nicht erfühlbar, wie es manchmal bei billigeren Doubleshots teilweise der Fall ist.
Gut zu spüren hingegen sind die taktilen Markierungen auf F und J, also so wie es sein soll.

Die Firma GMK electronic design GmbH hat übrigens 2012 die Produktionsmittel (das Tooling) von Cherry übernommen, PBT-Kappen lassen sich laut GMK damit nicht herstellen.

...sind alle Doubleshots.
…sind alle Doubleshots.

Die Leertaste hat den Schalter off-center, bietet an sich allerdings auch eine mittige Stem-Aufnahme an. Die unterste Tastenreihe ist eine Standard-Bottom-Row mit 1.25U-Modifiern.

Im Konfigurator gibt es für das Haupttastenfeld, die Pfeiltasten, die Modifier und den Escape-Key jeweils separat die Möglichkeit, eine Farbe zu wählen. Zur Auswahl stehen u.a.
Je nach Farbwahl ergibt sich ein sehr hoher Kontrast der Beschriftung, was die Ablesbarkeit fördert.

Die Schriftart (font) finde ich gelungen. Sie ist schnörkellos und sehr gut lesbar.

Fazit: Uniqey Q100

Wow! Die Uniqey Q100 ist definitiv massiv und bietet Qualität made in Germany mit etlichen Optionen zur Personalisierung und sinnvolle Funktionen.
Dies hat allerdings seinen Preis – der aber meiner Meinung nach allein durch die Doubleshots und das Aluminiumgehäuse bereits relativiert wird, auch wenn die Aufstellfüße zu kritisieren sind.
Daher spreche ich am Ende eine Empfehlung aus.

Vielen Dank an die GMK electronic design GmbH für das kostenlose Bereitstellen der Uniqey Q100 für diesen Test!

8 Gedanken zu “Review: Uniqey Q100 mit QMX-Clips

  1. Sehr interessantes Teil. Wenn mir der Preis nicht ein wenig zu hoch wäre (sind ja keine Topre drin :D), würde das wohl bei mir daheim landen.

    Die Echtholz Variante hätte ich gerne mal gesehen. Das sieht im Konfigurator ziemlich schick aus.

    • Und weil du ja auch so ein Fan von Plate-Mount bist: ja, das Ding flext wirklich nicht. Ich musste auch 3 mal hinsehen, dass es auch wirklich bloß ein PCB ist 😉
      Aber die QMX-Clips gehen auch nur bei PCB-mount.

  2. Ich hoffe mal, dass GMK in ein paar Jahren mit einer TKl aufwarten kann, wenn ich mir diese Preise leisten kann. Ich frage mich aber echt, ob der Markt für so ein Nischenprodukt groß genug ist…

  3. Schönes teil, wenn man bedenkt, dass GMK kappen 100€ kosten und die bei dem Board dabei sind, kommt es auf 170,- also in dem Bereich einer Ducky oder Filco. Da muss ich glaub ich nicht lange überlegen.

  4. Habe eben noch eine Ergänzung angefügt: die Farben und Helligkeit der LEDs über dem Numblock lassen sich umstellen, was ziemlich cool ist.
    Dass man auch Makros aufzeichnen kann, hatte ich auch vergessen zu erwähnen.

  5. Ich finde die Tastatur wirklich sehr interessant, besonders wegen so schönen Details wie der entwickelten Geräuschdämpfung. Und auch wenn das Design sehr schlicht ist, ist die Tastatur meiner Meinung nach dennoch optisch ansehnlich.

  6. Die Tastatur hört sich toll an, trotz des extremen Startpreises von 265€. Die verschiedenen Ausftellfüße, das N-Key-Rollover, und die Geräuschdämpfung (Danke für das einbauen der Soundfile) hört sich nach einem Sehr hochqualitativen Paket an. Danke für die tolle Review.

  7. Die Tastatur sieht nicht nur wunderschön und schlicht aus, sondern hört sich auf dem Papier perfekt an. Aber 300 € bei nur 2 Jahren Gewährleistung und keiner weiteren Garantie ist schon schwach. So eine Summe bezahle ich nur für eine Tastur, die ich nächsten Dekaden verwenden will. Da sollte die Garantie dann auch schon angemessen sein.

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