Review: Tesoro Lobera Supreme G5NFL

Tesoro ist eine in Deutschland noch eher unbekannte Marke für Gaming-Zubehör. Im Programm sind auch einige mechanische Tastaturen enthalten, darunter die zu diesem Test mit blauen Schaltern vorliegende Lobera Supreme G5NFL.
Deren herausragende Besonderheit ist die RGB-Beleuchtung, die hier nicht nur die Tasten erstrahlen lässt.

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EigenschaftBeschreibung
LayoutISO-DE, 100%
Schalter-TechnikKailh Blue
AnschlussUSB
Kabel1,55 m (sleeved, nicht abnehmbar)
Key Rollover6KRO/NKRO über USB
Maße (BxTxH) [cm]44,4 x 20,6 x 4,4
Masse1,17 kg
BesonderheitenRGB-Beleuchtung;
USB-Hub;
Makrotasten;
USB-Hub, Audiodurchschleifung (je 2 Anschlüsse);
Medientasten über Fn-Doppelbelegung;
Polling-Rate bis 1000 Hz
Preis (z. Zt. des Tests)ca. 115-120 €

Die Tastatur trägt  den Namen des Schwertes von König Ferdinand III. von Kastilien und León: „Lobera“, was „Wolfstöter“ (von spanisch „el lobo“, also „der Wolf“) bedeutet. Damit reiht sie sich ein in die Tastaturen „Colada“ und „Tizona“ (die Schwerter von El Cid) aus dem Tesoro-Portfolio.

Im Lieferumfang befindet sich die Tastatur selbst, ein 5V-USB-Stromkabel, eine Schnellanleitung und eine kleine Werbebroschüre von Tesoro. Entgegen den Angaben auf der Packung fehlt leider die Software-CD; dies ist jedoch unproblematisch, da das Programm in der aktuellen Version auf Tesoros Webseite heruntergeladen werden kann.

Design und Äußeres

Das Design ist sicher auffällig und hebt sich von der Masse ab. Tesoro richtet sich mit der Lobera Supreme v.a. an Spieler und an Freunde aufwendig beleuchteter Tastaturen.
Leicht erkennbar ist dies an den Makrotasten und an den seitlichen Leuchtstreifen, die der von iOne hergestellten Tastatur einen leicht „spacigen“ Look verleihen.

Das Gehäuse besteht entgegen der Metalloptik aus Kunststoff. Der obere Teil mit einer Textur angelehnt an gebürstetes Aluminium fühlt sich recht hochwertig an; der an Riffelblech erinnernde Ansatz einer Handballenauflage rangiert nur knapp darunter. Angesichts dessen ist es schade, dass der lilane Teil mit dem Tesoro-Logo am USB-Hub mit billigerer, wackliger Anmutung samt gut sichtbarer Spalte daherkommt. Bei mittel-hohem Druck biegt sich zudem der obere Gehäuseteil etwas durch.

Unterseite der Lobera Supreme
Unterseite der Lobera Supreme

Die Rückseite ist wie der Hauptteil der Oberseite gehalten; dort finden sich auch 10 Schrauben – das was auf der Oberseite nach Schrauben aussieht, ist hingegen nur ein Stilelement aus Kunststoff. Clever gelöst sind die Standfüße:  für zwei Stufen mit höherem Anstellwinkel ( 6° bzw.  10° statt 4°) sind mit je zwei kleinen und zwei großen Klappfüßchen realisiert, allerdings ist nur der größere unten gummiert. Die Rutschfestigkeit leidet so in der mittleren Stufe ein bisschen, ist aber sonst gut.

Kabel, USB- und Audio-Hub
Kabel, USB- und Audio-Hub

Das einigermaßen flexible, nicht abnehmbare Kabel ist gesleeved und laut Hersteller 1,55 m lang. Es teilt sich zunächst in drei Adern, je eine für einen 3,5-mm-Mikrofonstecker, einen ebensolchen für Kopfhörer und eine für zwei USB-Stecker, die alle vergoldet sind.
Letztere übertragen die Eingabedaten und versorgen die Lobera Supreme mit Strom; nur der Hauptstecker ist hierfür offenbar nicht ausreichend, ohne verbundenen Nebenstecker ist kein Betrieb möglich.
Eine Besonderheit stellt das zusätzliche USB-Stromkabel dar, welches mit seinem 2-mm-Stecker an alte Mobiltelefonladegeräte erinnert. Will man am USB-2.0-Hub der G5NFL ein Gerät mit höherem Strombedarf als 100 mA betreiben, kann so eine ausreichende Versorgung gewährleistet werden.

Rückseite der Lobera Supreme
Rückseite der Lobera Supreme

Medientasten (stummschalten, leiser, lauter, play/pause, zurück, vor) sind über die Fn-Taste mit dem Tesoro-Logo und F1 bis F6 zugänglich. Neben den weißen LEDs rechts oben, die Numlock, Capslock und Scrollock anzeigen, befinden sich zwei Buttons: der G-Button, mit dem die Windows-Taste deaktiviert werden kann, und der R-Button, der on-the-fly-Aufzeichnungen von Makros ermöglicht. Die weißen Status-LEDs sind nicht dimmbar und könnten dem ein oder anderen zu hell sein.

Software, Makros und Beleuchtung

Verschiedene Beleuchtungsfarben
Verschiedene Beleuchtungsmodi (animiertes GIF, zum Ansehen anklicken)

Drei Makrotasten sind als unter der Leertaste positionierte Daumentasten (H1 bis H3) ausgeführt und bequem erreichbar. Die Zuweisung und Aufzeichnung von Makros, welche auch für alle normalen Tasten möglich ist, erfolgt über die ausreichend übersichtliche Tesoro-Software. Mit dieser kann dank der RGB-LEDs, die theoretisch über 16 Millionen Farben ermöglichen, auch die Beleuchtungsfarbe genauer festgelegt werden. Einzelne Tasten lassen sich bei der Lobera Supreme jedoch nicht ansteuern, so dass man immer die Kombination Tasten+Leuchtstreifen farblich festlegt.
Abgelegt wird das ganze in je einem von fünf Profilen, die in der Software oder direkt auf der Tastatur per Fn + F9 bis F12 aufgerufen werden können.

c137_Tesoro_seitMittelMit Fn und 8 bzw. 2 auf dem Nummernblock lässt sich der Beleuchtungsmodus je Profil zwischen aus, alle Tasten beleuchtet (etwas gedimmt), alle Tasten mit höherer Helligkeit beleuchtet, alle Tasten im „atmen“-Modus beleuchtet (periodisches Dimmen und wieder Erhöhen der Helligkeit, solange keine Taste betätigt wird) und zwei Teilbeleuchtungsstufen einstellen.
c137_Tesoro_seitUntenSo ergibt sich trotz der oben genannten Einschränkung eine ansehnliche Vielfalt bei der Beleuchtung. Damit und mit den illuminierten Seitenstreifen ist die Tesoro Lobera Supreme auf jeden Fall ein Hingucker. Negativ fällt aber auf, dass sich die Farben leicht verändern, wenn man an der Helligkeit dreht.

Farbwahl in der Tesoro-Software
Farbwahl in der Tesoro-Software

Die Software ist übrigens kompatibel zu Windows XP, Vista, 7 und 8 und benötigt etwa 61 MB Speicher auf der Festplatte.

Eine weitere schöne Eigenschaft ist, dass man mit Fn und Einfügen bzw. Entfernen einfach zwischen 6KRO/NKRO über USB umschalten kann, um etwaige Inkompatabilitäten zu vermeiden, denn NKRO über USB ist nur mittels virtueller Tastaturen möglich, was nicht mit allen Betriebssystemen und PC-Konfigurationen reibungslos funktioniert. Beim ersten Umschalten wird unter Windows daher eine Treiberinstallation durchgeführt, während der die Tastatur nicht verwendet werden kann.
Mit dem bekannten Microsoft-Tool lassen sich die Key-Rollover-Eigenschaften auch leicht überprüfen und in diesem Fall die Herstellerangaben bestätigen.

Die Spieletauglichkeit ist definitiv gegeben, wenn man mit den blauen Schaltern zurechtkommt, wie ich z.B. mit Trine und Hammerwatch erprobte.

Switches

Kailh Blue mit RGB-LED
Kailh Blue mit RGB-LED

Bei den Schaltern handelt es sich nicht um solche der deutschen Firma Cherry (Artikel zur Übersicht über deren Schalter), sondern um Modelle der chinesischen Firma Kaihua Electronics, auch bekannt als Kailh.
In der vorliegenden Variante G5NFL-BL sind blaue Kailh-Schalter aus der Serie PG1511 verbaut, also solche mit „Klick“ und taktilem Feedback. Die Auslösekraft liegt bei 60 cN.
Alternativ zu den blauen Schaltern bietet Tesoro die G5NFL auch mit braunen, schwarzen und roten an – die Relation Farbe-Charakteristik ist orientiert an der bei Cherry.

Die Kailh-Switches gelten als günstigere Klone derer von Cherry und verzichten auf die vergoldeten Kontakte. Im Vergleich zum Original wirken die Kailh Blue etwas hakeliger, der Druckpunkt scheint nicht ganz so präzise zu sein. Anscheinend gibt es etwas zu hohe Fertigungstoleranzen/Streuungen, da sich das Gefühl einzelner Schalter auf der Lobera Supreme merklich im gesamten Bereich „top“ bis „flop“ unterscheidet.

Trotz der vorhandenen Metallplatte ist leider ein leichtes „Flexen“ festzustellen, wenn man die Mitte der Tastatur etwas stärker belastet. Die Ausmaße der Platte sind offenbar auch recht sparsam gewählt, so dass man z.B. am Nummernblock daran vorbei gut das rote PCB erspitzeln kann. Die Verwindungssteifigkeit ist auch nicht ganz optimal.
Unter den größeren Tasten, z.B. unter der ebenfalls mit einem Kailh Blue bestückten Leertaste, werden Costar-Stabilisatoren verwendet. O-Ringe sind keine montiert, können aber selbstverständlich nachgerüstet werden, um das für eine Plate-mounted-Mecha typische Bottom-Out-Geräusch zu dämpfen.

Wurde hier an der Metallplatte etwas gespart?
Wurde hier an der Metallplatte etwas gespart?

Wichtig für die Beleuchtung sind selbstverständlich die LEDs: diese sind wie sonst üblich oberhalb des Stems an den intransparenten Gehäusen eingebaut. Da es sich um RGB-LEDs handelt, sind sie merklich größer als die sonst meist üblichen einfarbigen Leuchtdioden. Die Ausleuchtung der Tasten ist gut, wobei das Ergebnis mit transparenten Schaltergehäusen (ein Ansatz, den Matias schon länger und Cherry mit den bis 2015 Corsair-exklusiven MX-RGB verfolgt) wohl besser wäre.
Allerding ist die vorliegende Lösung natürlich am naheliegendsten und am günstigsten zu realisieren, was sich auch darin niederschlägt, dass die Lobera Supreme das erste mechanische Keybaord mit RGB-Beleuchtung auf dem freien Markt ist.

Tastenkappen

Laser-etched Tastenkappe
Laser-etched Tastenkappe

Die Keycaps mit zylindrischem Profil sind aus ABS, die Beschriftung ist Laser etched, d.h. das milchig-transparente Material wurde mit schwarzer Farbe überzogen und dann die Form der Beschriftung mit einem Laser entfernt, so dass die Beleuchtung durchscheinen kann. Im Neuzustand haben sie ein leichtes Soft-touch-finish, können aber bei längerer Benutzung speckig werden.

Die Schriftart (font) ist wie immer natürlich Geschmackssache. Hier bringt sie die Beleuchtung gut zur Geltung und ist meist gut lesbar. Dass der Unterschied zwischen einer 5 und dem großen S nicht groß ausfällt ist verschmerzbar, allerdings ist die geschweifte Klammer { schwer von der eckigen [ daneben zu unterscheiden.

Innenseite der Tastenkappe
Innenseite der Tastenkappe

Die Kappen sitzen nicht so fest auf den Schaltern, sie lassen von der Lobera Supreme leichter abziehen als von einer anderen Tastatur mit Cherry-Schaltern. Beim Tippen haben sie aber kein größeres Spiel.
Das Layout ist offensichtlich das in Deutschland gebräuchliche ISO-DE. Bei einem möglichen Wechsel der Keycaps müssen manchmal die Größen von ein paar speziellen Tasten beachtet werden; hier handelt es sich iOne-typisch um die unterste Tastenreihe (1,5U große Modifier, Leertaste mit 6U).

Fazit

Die Tesoro Lobera Supreme G5NFL ist bei einem Preis von etwa 115-120 € derzeit die günstigste mechanische Tastatur mit RGB-Beleuchtung. Allerdings ist sie nicht ganz perfekt: über die Verarbeitungsmängel bzw. die der Materialwahl kann man vielleicht noch hinwegsehen, das Gesamtpaket ist eigentlich noch fast gut.
Die Kailh-Schalter sollte man aber vor der endgültigen Kaufentscheidung vorher probetippen, persönlich habe ich zumindest bei der Version mit Kailh-Blue-Schaltern starke Bedenken.

Vielen Dank an Tesoro Deutschland für das kostenlose Bereitstellen der Lobera Supreme G5NFL-BL  für diesen Test!

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