Review: Microsoft Surface Book

Auch bei mobilen Geräten möchte man vernünftige Eingabemöglichkeiten haben. Laut Hersteller Microsoft hat das Surface Book eine besonders gute Tastatur und ein besonders gutes Trackpad. Was ist dran an dieser Aussage?

Zuerst: Bestellt habe ich ein Surface Book 256GB/i5/8GB/dGPU, also eines mit 256GB SSD, Intel Core i5, 8GB DDR3-RAM und dediziertem Grafikchip mit 1GB GDDR5-Speicher.
Preis im Microsoft Online-Store: 2069€ regulär, 1862,10€ für Studenten.

Allgemeines

Der direkte Ersteindruck beim Auspacken war: Dünner und leichter als von den Bildern her erwartet. Verarbeitung, Gehäuse etc. fühlt sich top an, der Surface-Reihe würdig.
Leider habe ich aber dann auch gleich sowohl einen Pixelfehler als auch etwas dunklen Schmutz unter dem Displayglas rechts oben entdeckt! Das darf bei einem so teuren Gerät natürlich überhaupt nicht sein und ist ein definitiver Grund, zumindest dieses spezielle Exemplar zurückzugeben.

Stift und Lautsprecher, Surface Book zugeklappt mit Display oben
Stift und Lautsprecher, Surface Book zugeklappt mit Display oben

Das Surface Book kann einiges: zuallererst Stift + Touch, große Akkulaufzeit (bis ca 12h), 13.5″-IPS-Display. Das abdockbare Clipboard ist wirklich praktisch zum Couchsurfen, um Leuten was zu zeigen, schnell ein paar Anmerkungen auf einem PDF zu machen usw.
Das Display bietet sehr tolle Farben und die Auflösung (3000×2000) ist auch top. Sieht man genauer hin, bemerkt man den Digitizer-Layer für den Stift. Das 3:2-Seitenverhältnis wird sicher nicht jedem zusagen, aber ich persönlich finde es sehr gut. 16:9 finde ich zum Arbeiten mit Visual Studio, Office o.ä. zu schmal und nutze daher 16:10, aber 3:2 ist im mobilen Bereich bei dieser Displaygröße noch ein Stück besser.

Schnell ist das Gerät auch. Bilder skalieren etc. in GIMP geht extrem flott. Das Book gibt sich auch sehr ruhig: Wirklich hörbar waren die Lüfter bis jetzt nur beim Firmware-Update. So laut war mein Lenovo X230T aber auch schon bei mittel-leichter Last, das 12″-MacBook (das wir auch getestet haben) ist natürlich permanent geräuschlos da komplett passiv gekühlt.
Heiß ist am Surface Book auch nichts geworden, die Rückseite um das Logo herum bei Belastung des i5 etwas warm und bei längerer Last auch die untere Hälfte vom Display ein wenig.

Die Laufzeit des Clipboards für sich allein (ca. 3h) hängt an Dicke, Gewicht und Balance und außerdem daran, dass das Surface Book nunmal zuallererst ein Notebook ist, zumindest viel mehr als ein Surface Pro. Hier keine Beschwerden meinerseits.
Nochmal: So ein 7,7mm dünnes und unter 780g leichtes 13.5″-Tablet mit Stift ist schon cool, um mal schnell jemandem was zu zeigen und/oder eine Idee zu skizzieren 😀
Zudem: die kombinierte Akkulaufzeit ist wirklich gut (10-12h). Möchte man länger zeichnen o.ä., nimmt man das Clipboard eben ab, setzt es mit dem Display nach außen wieder auf und klappt das ganze dann zu – somit profitiert man auch von der dGPU und hat am Tisch einen angenehmen Winkel zum zeichnen/schreiben.

Das Abdocken klappte problemlos und ist jedes mal auch akustisch zufriedenstellend. Das Wiederandocken führte leider auch nach Updates mehrfach zu Bluescreens.

Die Lautsprecher sind vor allem laut und direkt auf den Benutzer gerichtet, was nicht schlecht ist, am Bass mangelt es aber.
Login mit Gesichterkennung (Windows Hello) klappt ganz gut, aber nach den euphorischen Berichten hätte ich mir das noch schneller vorgestellt. Schneller als  die Eingabe eines Passworts ist es aber dennoch leicht.
Die Mikrophone sind für die Geräteklasse gut, für Skype-Gespräche etwas besser als meine Logitech-Webcam oder das MacBook.

Surface Book und 12"-MacBook
Surface Book und 12″-MacBook

Als Anschlüsse stehen übrigens ein mini-Displayport, 2x fullsize-USB-3.0, ein SD-Kartenleser, 3,5-mm-Klinke und ein magnetischer Ladeanschluss zur Verfügung. Das mitgelieferte Netzteil verfügt zudem noch über einen USB-Port um ein weiteres Gerät laden zu können.

Größenvergleich: 13.5" 3:2 und 12" 16:10
Größenvergleich: 13.5″ 3:2 und 12″ 16:10

Abschließend noch eine kurze Bemerkung zum „Spalt„, wenn das Gerät zugeklappt ist:
Ja, den gibt es, ist ja bekannt. Nein, der Surface-Stift kann da nicht reinrutschen und das Display verkratzen, dafür ist die Lücke zu klein bzw. der Stift (Durchmesser wie ein normaler Kugelschreiber) zu dick. Meiner Meinung nach gehört das Surface Book zum Transport eh in eine Sleeve oder eigene Tasche, so dass da auch nichts anderes (wie die in einem Test erwähnten Münzen…) rumfliegen kann.
Der Öffnungswinkel beträgt 130°, was sich hoffentlich bei der nächsten Generation noch verbessert. Das ist am Ende aber für mich kein K.O.-Kriterium.
In geschlossenem Zustand ist der Biegeradius des Scharniers so groß, dass es genau wie eine aufgestellte 1-Euro-Münze ist.

Der Spalt hat übrigens auch einen funktionellen Hintergrund: nicht nur kann so der Tastenhub größer ausfallen, ohne dass die Tasten gegen das Display kommen – sondern so wird auch eine ausreichende Belüftung der dGPU in der Tastatur-Base sichergestellt! Denn deren Lüftungsschlitze sitzen vorne am Fulcrum Hinge, und sicher möchte niemand dass die Nvidia-GPU überhitzt, wenn das Display z.B. ‚umgekehrt‘ im Zeichenmodus verwendet wird.

Tastatur und Trackpad

Tastatur und dGPU-Lüftungsschlitz beim Surface Book.
Tastatur und dGPU-Lüftungsschlitz beim Surface Book.

Kommen wir nun zum Thema, das im Fokus von Mecha-Blog steht: Eingabegeräte.
Dazu muss natürlich gesagt werden, dass das Surface Book über keine mechanische Tastatur verfügt, sondern über Scissor-Rubberdomes wie in den allermeisten Notebooks üblich.

Die Tastatur ist dennoch sehr gut. Die Tasten fühlen sich aber manchmal ein bisschen hohl an; man kann sie leicht schräg drücken, aber sie lösen immer zuverlässig aus. Der Hub ist deutlich größer als beim 12″-MacBook, der Druckpunkt zumindest im Neuzustand deutlich und angenehm – insofern also meiner Meinung nach ganz anders als die Apple-Produkte (MacBook Pro, MacBook Air) mit Scissors.

Microsoft verspricht auch ein besonders leises Keyboard. Es scheppert nichts und wenn man behutsam tippt ist es tatsächlich sehr zurückhaltend; hackt man aber kräftig rein muss man selbstverständlich auch mit entsprechenden Geräuschen rechnen.
Auch längere Texte sind (für Notebook-Verhältnisse) angenehm schreibbar, wie z.B. das Grundgerüst für diesen Artikel hier.

Das Trackpad ist gut, ich sehe es auf der Höhe derer der MacBook Pros (aber nur vor 2015 und damit Force Touch!). Je nachdem wo ich klicke kommt es mir zu schwergängig vor, das liegt aber u.a. auch sicher daran, dass ich auf dem mir nun gewohnten MacBook das Trackpad auf „leicht“ gestellt habe.
Die Gleiteigenschaften des Glastrackpads sind angenehm, die Fläche mehr als ausreichend und beim Fingertracking konnte ich keine Probleme feststellen. Auch die Mehrfinger-Gesten in Windows klappen meist einwandfrei aber dann doch nicht ganz so zuverlässig wie die von OS X auf dem MacBook.
Insgesamt das wohl beste Trackpad in einem Windows-Notebook.

Surface Pen

Fulcum Hinge und Surface Pen, 1€-Münze zum Größenvergleich.
Fulcum Hinge und Surface Pen, 1€-Münze zum Größenvergleich.

Der Eingabestift verwendet die Technik von N-Trig, welches ja von Microsoft aufgekauft wurde. Es ist genau dasselbe Modell wie beim Surface Pro 4, bietet also 1024 Druckstufen, enthält eine AAAA-Batterie und einen starken Magneten, der zur Befestigung an der Seite des Surface Books dient. Er lässt sich so auch mit kräftigeren ruckartigen Bewegungen vom Tablet-Teil (Clipboard) nicht abschütteln – sehr gut!
Für 10€ gibt es übrigens bei Microsoft einen Satz Ersatzspitzen, die verschiedene Charakteristiken haben, so bekommt man je nachdem z.B. mehr oder weniger Reibung auf dem Display.

Der Surface Pen erwies sich als sehr angenehm zu halten, der Durchmesser ist der eines normalen Kugelschreibers. Die Erkennung funktionierte zuverlässig und in OneNote mit sehr geringer Verzögerung (Lag). Wenn man sich als „Papier-Schreiber“ ein wenig eingewöhnt hat, kann man so auch gut handschriftliche Notizen bzw. Mitschriften anfertigen.

Fazit: Microsoft Surface Book

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Grund für’s Zurückschicken

Mein persönliches Ergebnis ist: Das Surface Book zurückschicken, schon allein wegen dem verunreinigten Display samt Pixelfehler. Das MacBook wird weiterbenutzt, es funktioniert. Mein Leben hängt jetzt nicht vom Stift ab, obwohl der schon echt nice to have wäre. Langfristig aber wird es ein Surface Book – kein Surface Pro jedenfalls – werden, vielleicht aber erst zur zweiten Generation. Mal sehen…

Generell: empfehle ich das Surface Book?
Am Ende geht es um zwei Dinge: a) Betriebssystem (Windows vs. OS X) und b) braucht/will man den Stift? Dies setzt voraus, dass x86 gewünscht ist, ich klammere daher das iPad Pro bei b) aus, weil es eben keine vollwertigen Desktopanwendungen ermöglicht.
Wenn du b) mit „ja“ beantwortest, kommst du also um die Surface-Reihe quasi nicht rum. Da entscheidet dann Akkulaufzeit, Preis, Gewicht, Displaygröße und dGPU zwischen Book und Pro 4 – Also: will man eher ein Notebook/maximale Akkulaufzeit/maximale Leistung, dann sollte man zum Surface Book greifen, ansonsten zum Surface Pro 4.

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