Review – Happy Hacking Keyboard Professional 2 HHKB

Eine Tastatur für’s Büro. Nicht mehr und nicht weniger habe ich lange gesucht. „Ist das dein Ernst?“ haben mich meine Kollegen gefragt, als ich das erste mal mit einer MX-Blue Tastatur auf die Arbeit gekommen bin. Da wusste ich, dass ich des Friedens willen wohl nicht lange diesen Komfort genießen werde.
Die Suche gestaltete sich allerdings schwieriger als vermutet, da meinen netten Mitarbeitern leider auch eine Tastatur mit MX-Blacks und O-Ringen zu laut war auf die Dauer. Es musste also wirklich leise sein. Ob dieses Vorhaben mit dem Happy Hacking Keyboard geglückt ist, werde ich in meinem Review verraten 😉

Allgemeines und technische Daten

KomplettansichtDass die Tastatur nicht unbedingt für die Allgemeinheit bestimmt ist, verrät einem eigentlich gleich das außergewöhnliche Tastenlayout das sich die Jungs von PFU Limited da ausgedacht haben. PFU selbst gehört zu Fujitsu und sollte daher zumindest auf den zweiten Blick bekannt sein. Hier der Link zur Herstellerseite auf welcher die verschiedenen Versionen der Tastatur angeboten werden. Die Unterschiede werde ich später ein wenig näher beleuchten.

Nimmt man die Tastatur das erste mal in die Hand fällt einem sofort das geringe Gewicht von gerade einmal 530 Gramm auf. Entgegen der Erwartungen macht sie aber dennoch sofort einen vernünftigen Eindruck und wirkt keinesfalls „windig“ oder instabil. Mit gerade einmal 60 Tasten hat man eben auch die ein oder andere Möglichkeit Gewicht zu sparen.

Gesamtansicht_frontDas HHKB ist wie schon angesprochen in verschiedenen Varianten zu bekommen. Hier handelt es sich um ein Happy Hacking Keyboard Professional 2 in schwarz mit Beschriftung der Tastenkappen. Eine weitere angebotene Farbvariante ist ein helles Grau, welches einen zugegeben wirklich geilen Rat-Look hat 🙂
Alle Farben gibt es sowohl beschriftet als auch blank zu kaufen. Es sei hier allerdings schon empfohlen, erstmal mit einer beschrifteten Variante zu beginnen und erst nach einer Zeit der Eingewöhnung auf die blanke Variante zu wechseln. Die Tasten selbst kann man ohne Probleme im Set nachkaufen. Zum Beispiel bei EliteKeyboards.

Die technischen Daten der Tastatur in Kürze:

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Im Lieferumfang selbst befindet sich neben einer, meiner Meinung nach optisch absolut nicht ansprechenden Verpackung, ein USB-Kabel zum Anschluss der Tastatur und eine auf Japanisch gehaltene Bedienungsanleitung. Diese erklärt im wesentlichen den Umgang mit den DIP-Switchen der Tastatur welche hier auch noch behandelt werden.

Verpackung HHKB

 

Design und Äußeres

Logo HHKBUnderstatement pur. Das trifft es wohl am besten finde ich. Die komplette Tastatur ist in einem schönen dunkeln Anthrazit gehalten und hat keine Auffälligen Design Spielereien die man von Gaming Tastaturen kennt. Sogar das Logo selbst am rechten unteren Rand ist mit seiner schwarzen Schrift nicht auf den ersten Blick zu erkennen.
Ich finde das gut so, denn gerade auf der Arbeit finde ich es unpassend eine mit Gaming Schriftzügen überhäufte Tastatur auf dem Schreibtisch stehen zu haben 🙂

Das Gehäuse ist aus einem matten Kunststoff welcher komplett frei von Fingerabdrücken bleibt, auch nach stundenlanger Nutzung. Die Tasten sind in der gleichen Farbe gehalten und stechen damit auch nicht aus dem Gehäuse hervor. Die Schrift der Tasten is mit dunklem schwarz nicht unbedingt gut zu erkennen, wer sich für die Tastatur interessiert wird vermutlich jedoch blind schreiben können.

Rückseite AnschlüsseAm hinteren Ende befinden sich 3 Anschlüsse und eine Abdeckkappe. Ein Mini-USB Anschluss dient der Verbindung der Tastatur zum Computer. Daneben befindet sich ein USB-Hub mit 2 USB 2.0 Anschlüssen, welche aufgrund der 100mA Beschränkung nicht für USB-Sticks geeignet sind. Eine Maus kann hier jedoch angeschlossen werden.

Unter der Abdeckkappe befindet sich die DIP-Switche welche im Abschnitt „Layout“ näher behandelt werden. Die Abdeckung macht einen sicheren Eindruck und sitzt auch nach mehrmaligem öffnen noch perfekt.

 

 

Gummifuß

Auf der Unterseite befinden sich 2 kleinere Gummifüße für einen sicheren Stand. Dies gelingt leider nicht ganz, weshalb ich hier ein wenig nachgearbeitet habe und im oberen Bereich eine Art Gummi aufgeklebt habe. Im Normalbetrieb kann es sonst durchaus passieren, dass die Tastatur beim schreiben verrutscht. Hier könnte nachgebessert werden.

 

 

 

Rückseite_Füße_ausgeklapptEbenfalls auf der Unterseite befinden sich die zweigeteilten Aufstellfüße die einen super verarbeiteten Eindruck machen und sowohl hör als auch spürbar in die vorgesehenen Positionen einrasten. Hier hat PFU alles richtig gemacht! Der Anstellwinkel der „kleinen“ Füße ist sehr gering und wird bei mir fast durch das anbringen der Gummifüße erreicht. Für mich stellt das zugleich die optimale Höhe der Tastatur dar. Wer es ein wenig steiler möchte kann die „größere“ Stufe der Füße ausstellen und erreicht somit einen noch steileren Winkel. Ich habe versucht diesen Winkel auf meinen Bilder ein wenig darzustellen.

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Switches

Wie in den technischen Daten bereits geschrieben handelt es sich hier um Topre Schalter. Diese werden immer wieder diskutiert ob sie denn überhaupt zu den mechanischen Schaltern gehören. Meiner Meinung nach eindeutig ja! Das Signal wird wie bei MX-Schaltern bereits nach der Hälfte des Weges ausgelöst.

Will man die Schalter mit irgendwas anderem vergleichen tut man sich ein wenig schwer. Ich würde ihn wie folgt beschreiben: Er hat den deutlichen Druckpunkt eines blauen MX-Schalters. Dazu jedoch den weichen Anschlag einer Rubberdome in Verbindung mit der Festigkeit einer Rubberdome Tastatur. Das bedeutet dass die Taste selbst sehr fest in ihrer Führung sitzt was bei MX-Schaltern leider nicht der Fall ist. Diese Eigenschaften sorgen dafür dass der „Bottom-Out“ also das Anschlagen des Schalters bis auf den Boden wesentlich leiser ist als bei anderen mechanischen Tastaturen.

Des weiteren hat man bei dieser Schalter-Art die Möglichkeit den „Top-Out“ also das Geräusch beim loslassen der Taste zu dämpfen. Dies wird bereits von Werk aus bei der Silent Version des Happy Hacking Keyboards vorgenommen, kann aber nachträglich auch selbst durchgeführt werden.

Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten von denen ich selbst zwei ausprobiert habe:

1. Mithilfe einfacher „Zahnspangengummis“, welche über die Stempel gestülpt werden, wird der Anschlag stark gedämpft. Großer Nachteil ist jedoch die Stärke dieser Gummis. Es entsteht das Gefühl, dass die Schalter keinen richtigen Druckpunkt mehr nach dem Einbau haben. Daher habe ich von dieser Variante abgesehen und kann sie nicht empfehlen.
Gummi montiert


Zahnspangengummis

2. Durch den Einbau der bereits bekannten O-Ringe von IR-Dichtungstechnik wird der gleiche Effekt erzielt. Hier hat man jedoch den Vorteil, dass die Charakteristik der Schalter beim schreiben nahezu unverändert bleibt.

Weitere Möglichkeiten die in Foren genannt wurden sind die Montage von Schaumstoffmatten, welche vorher auf passende Größen gestanzt werden. Der Aufwand hierfür war mir jedoch zu hoch und der damit erzielte Effekt weicht nicht von den bereits fertig zu kaufenden O-Ringen ab.

Tasten und Layout

Kommen wir zum eigentlich wichtigsten Punkt dieser Tastatur. Bereits beim ersten Anblick fällt einem das fehlen einiger „wichtiger“ Tasten auf. Dazu gehört zum Beispiel die komplette Funktionsreihe. Erst auf den zweiten Blick sieht man die seitliche Bedruckung der Tasten. Diese Beschriftung gibt die Funktion der Taste beim zeitgleichen Druck auf die FN-Taste an. Wird also FN+9 gedrückt, wird F9 an den Computer weitergegeben. Dies geschieht beim Happy Hacking Keyboard durch den Controller, wird also auch ohne jegliche Treiber vom Computer als solches erkannt.

Die Pfeiltasten sind im rechten Block gehalten, so ist FN+“-“ ein Pfeil nach unten. Das alles hört sich im ersten Moment ziemlich schrecklich an, wird aber mit der Zeit so eingängig dass man es bei anderen Tastaturen ziemlich umständlich findet die Hand vom Hauptblock nehmen zu müssen um die Cursortasten zu erwischen.

Rückseite_DIP_SwitchDas Layout kann ein klein wenig modifiziert werden durch den Einsatz des bereits erwähnten DIP-Switches auf der Rückseite. Hier kann beispielsweise festgelegt werden ob man die Taste über Enter als Backspace oder Delete nutzen möchte. Die Windows-Taste kann mit der Alt-Taste getauscht werden oder das komplette Keyboard in einen für Mac gedachten Modus gebracht werden. Hier hat man den Vorteil von Mediatasten welche direkt unter Mac funktionieren. Ich habe das selbst getestet und bin angenehm überrascht wie leicht sich damit am Mac arbeiten lässt. Eine Beschreibung der jeweiligen Schalterfunktionen wurde praktischerweise auf die Unterseite der Tastatur geklebt 🙂

Ich kann jedem nur raten das Layout selbst einmal auszuprobieren, da es nach ein paar Wochen Eingewöhnung wirklichen Mehrwert bietet. Man wird sich danach nur schlecht an gewöhnliche Tastaturen erfreuen können, da das vertauschen der Caps-Lock mit der Steuerungstaste doch öfter zur Verwirrung führt als gedacht 😉

 

Die Tasten sind aus PBT gefertigt und sollten somit ausreichend vor Glanz geschützt sein. Lediglich die Leertaste ist aus ABS. Scheinbar ist dies der Fertigung geschuldet, da eine PBT Taste in dieser Länge nie 100% gerade ist. Schade, denn man merkt bereits nach wenigen Wochen, dass die Leertaste bereits ein wenig speckig wird.

Die Beschriftung der Tastaturen ist im DYE Sublimationsverfahren hergestellt und daher auch für die Ewigkeit. Lesbar ist sie jedoch bereits im Dämmerlicht nicht mehr durch den sehr geringen Kontrast von schwarz auf Anthrazit.

Zu erwähnen ist im Allgemeinen sicherlich die Befestigung der Tasten. Sie sind NICHT mit den Tasten der MX-Tastaturen kompatibel!

Fazit

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, ich habe meine Bürotastatur endlich gefunden. Die Tastatur ist wirklich sehr angenehm in der Lautstärke und das Geräusch an sich nahezu ein Suchtmittel 😀

Wem der Preis nichts ausmacht bekommt für sein Geld eine Tastatur die derart hochwertig verarbeitet ist wie ich es bislang noch bei keiner anderen Tastatur erlebt habe. Selbst nach mehrmaligem zerlegen der kompletten Tastatur machen die Schrauben nicht den Eindruck, dass sie es nicht ein weiteres mal aushalten würden. Das alles gepaart mit dem schönen Äußeren und dem, für mich, perfekten Layout machen die Tastatur zu meinem absoluten Liebling. Wer also ein reines Schreibgerät sucht und die Zeit nicht mit Call of Duty vor dem Rechner verbringt, dem sei diese Tastatur ans Herz gelegt. Der zusätzliche Platz auf dem Schreibtisch ist hierbei natürlich nicht von der Hand zu weisen 😉

Schreibtisch

 

Zum Abschluss noch ein paar Random Bilder der Tastatur auch im zerlegten Zustand:

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