Review: Cherry MX-Board 6.0

Cherry ist als Hersteller der am weitesten verbreiteten mechanischen Tastaturschalter bekannt, stellt aber auch eigene damit ausgestattete Tastaturen wie die G80-3000 oder die günstige Einsteigerempfehlung MX-Board 3.0 her.
Das hier getestete MX-Board 6.0 spielt (auch preislich) in einer anderen Liga und will mit reduzierter Latenz auch Spieler ansprechen.

MX-Board 6.0 von oben
MX-Board 6.0 von oben
EigenschaftBeschreibung
LayoutISO-DE, 100%
SchalterCherry MX Red
AnschlussUSB
Kabel2,0 m; gesleeved
Key RolloverNKRO
Maße (BxTxH) [cm]
(lt. Hersteller)
45,4 x 14,7 x 2,84
Masse1,61 kg (mit HBA)
1,35 kg (ohne HBA)
Besonderheitenrote Beleuchtung;
Alugehäuse;
magnetische Handballenauflage;
RealKey-Technik
Preis (UVP)189,00 €

Verpackungsoberseite
Verpackungsoberseite
Im Lieferumfang der sehr ansehnlichen Verpackung befinden sich: das MX-Board 6.0 (Modellnummer G80-3930LYBDE-2/00) selbst, die Handballenauflage, eine Anleitung und eine Stoffhülle.
Beim Auspacken fällt auch direkt ein Aufkleber mit dem Hinweis ins Auge, dass man sich doch bei der Herstellerwebsite www.cherry.de das neueste Firmware-Upgrade für das MX-Board 6.0 herunterladen solle.

Innerer Karton mit Cherry-Logo.
Innerer Karton mit Cherry-Logo.

Ausgeliefert wurde unser Testexemplar mit Version 4.0.242, die ausführbare Datei brachte es auf Version 6.0.0.

Erhältlich ist das MX-Board 6.0 in folgenden Layouts: US-ANSI mit €-Zeichen und ISO je für die Länder Deutschland (ISO-DE), Frankreich, Spanien, das Vereinigte Königreich (UK) und für die nordischen Länder (nordic).

Mitgelieferte Tasche
Mitgelieferte Tasche

Design und Äußeres

MX-Board 6.0. (Spacebar-Invertierung durch Autor vorgenommen)
MX-Board 6.0. (Spacebar-Invertierung durch Autor vorgenommen)
vergoldeter USB-Stecker
vergoldeter USB-Stecker

Auffällig ist zunächst das Metallgehäuse: metallisch-dunkel und angenehm zurückhaltend kommt die Oberschale aus sandgestrahltem Aluminum daher.
Laut Hersteller wurde das Case auch fettabweisend beschichtet. Jedenfalls fasst es sich ganz hervorragend an, ist ziemlich zurückhaltend gestaltet und definitiv eine der wichtigen Besonderheiten dieser Tastatur.

Detail: Handballenauflage
Detail: Handballenauflage

Die große Handballenauflage (HBA) hat eine weiche Gummioberfläche und fühlt sich daher sehr angenehm an. Allerdings bleibt so auch z.B. Staub extrem leicht daran haften.
Als kleines Gimmick ist auf der Oberfläche als sich wiederholendes Muster schräg „MX“ zu lesen; unten in der Mitte befindet sich ein Cherry-Logo in Alu. Etwas Nachteilig wirkt sich hier aus, dass die magnetische Befestigung nur in der Mitte der HBA greift: an den Seiten kommt es gerne zu mittlerem Gewackel.

Das Kabel ist gesleeved und (entgegen dem ersten Augenschein) nicht abnehmbar. Seine Länge beträgt gemessene 2,0 m; der USB-Stecker ist vergoldet (was allerdings nur optische Auswirkungen hat).

Unterseite der HBA
Unterseite der HBA

Auf der Unterseite (aus Kunststoff) finden sich das Typenschild, ein Cherry-Logo (das als Abdeckung für eine Schraube und somit wohl als Garantiesiegel dient) und ein Kabelkanal mit drei Möglichkeiten, das Kabel zu legen. Sehr praktisch.
Verschraubt ist der Boden mit 18 (!) kleinen Torx. Offenbar geht Cherry nicht davon aus, dass der Kunde das MX-Board 6.0 öffnen wollen/sollen könnte.

Mit aufgestellten und...
Mit aufgestellten und…

Die beiden Aufstellfüßchen klappen seitlich auf. Das ist etwas ungewöhnlich, erfüllt aber seinen Zweck tadellos. Sie erhöhen den Anstellwinkel von ° auf ° (gemessen an der Geäuseoberkante) und bieten auch kleine Anti-Rutsch-Gummierungen.
Die Rutschfestigkeit insgesamt ist bei normalem Betrieb mehr als ausreichend.

...eingeklappten Füßchen.
…eingeklappten Füßchen.

Auch wenn auf der Verpackung „German Engineering“ beworben wird, ist auf der Unterseite doch „Made in China“ zu lesen. Die „deutsche Ingenieurskunst“ bezieht sich also eher auf die Entwicklung und die MX-Schalter als auf die Fertigung. Aber mit diesem Schlagwort kann man halt v.a. im Ausland gut werben.

Unterseite des Cherry MX-Board 6.0
Unterseite des Cherry MX-Board 6.0

Das Aluminiumgehäuse und die Metallplatte liefern eine hervorragende Stabilität gegen Druck auf das Gehäuse und Torsion, die so nicht von einer Tastatur mit Plastikgehäuse (oder einer mit Floating Keys) erreicht werden konnte. Auch stärkerer Druck auf mittig positionierte Tasten führt nur zu extrem geringem Nachgeben („Flexen“).

Rückseite mit aufgeklappten...
Rückseite mit aufgeklappten…
...und eingeklappten Füßchen.
…und eingeklappten Füßchen.

Auf Schnickschnack wie einen USB-Hub verzichtet Cherry. Eine Lautstärkeregelung ist als Fn-Doppelbelegung auf F1 bis F3 (stummschalten, leiser, lauter) vorhanden, dazu gibt es separat ausgeführte Medientasten zum Zurückspulen, Wiedergeben/Anhalten und Vorspulen über dem Nummernblock. Insgesamt kommt man also auf 109 Tasten im deutschen Layout (ISO-DE).

MX-Board 6.0 mit Handballenauflage
MX-Board 6.0 mit Handballenauflage.
MX-Board 6.0 mit HBA von der Seite.
MX-Board 6.0 mit HBA von der Seite.

Schalter, Beleuchtung und Technik

Rote Beleuchtung beim MX-Board 6.0.
Rote Beleuchtung beim MX-Board 6.0.

In einem Produkt von Cherry sind natürlich originale Cherry-Schalter verbaut, allerdings nicht die RGB-Schalter mit transparentem Gehäuse. Momentan ist das MX-Board 6.0 nur mit den linearen MX Red erhältlich, welche bei 45 cN auslösen, also sehr leichtgängig sind. Details und Diagramme findet ihr im Übersichtsartikel zu Cherry-Schaltern.

Beleuchtung am Nummernblock
Beleuchtung am Nummernblock

Die Beleuchtung ist einfarbig rot, unter der Windows-, der Fn-, Scroll-LockCapslock– und der Numlock-Taste verbergen sich aber auch blaue LEDs. Dies bedeutet, dass die Windowstaste, Scroll-Lock, Capslock und Numlock in deaktiviertem Zustand je rot leuchten, in aktiviertem Zustand blau.
Die Helligkeit lässt sich in 1%- (F5 und F6) und in 10%-Schritten (F7/F8) regeln. Leider wird immer nur die rote Beleuchtung von der Helligkeitsregelung beeinflusst – daran änderte auch das Firmware-Upgrade auf Version 6.0.0 nichts.
Weil keine transparenten Schaltergehäuse verwendet werden, ist die Ausleuchtung der oberen Hälfte der Tastenkappe zwar gut, aber die untere Hälfte muss etwas leiden. Somit sind gerade die Sonderzeichen auf den Zifferntasten in einem dunklen Raum relativ schlecht zu erkennen.

Rote MX-Schalter.
Rote MX-Schalter.

Die von Cherry „RealKey“ (kurz „RK“) getaufte Technik soll die Eingabelatenz massiv reduzieren. Der Hersteller wirbt mit Sätzen wie „Schneller als alles andere“.
Herkömmliche Mechas setzen auf digitale Auslesetechnik, was aufgrund von Berechnungen im Controller zu Reaktionszeiten von 20 ms führt. Be Cherrys RealKey-Technik liegen an verschiedenen Leiterbahnen unterschiedliche Spannungen an, so dass der Controller quasi direkt erkennen kann, welche Taste gedrückt wurde und damit den Stromkreis schließt. Die Reaktionszeit sinkt laut den Friedrichshafenern (Cherry gehört schließlich ZF) daher auf 1 ms.

Front mit Cherry-Schriftzug.
Front mit Cherry-Schriftzug.

Dazu gibt es auch das bei Mechas praktisch übliche Anti-Ghosting, d.h. egal bei welcher gedrückten Tastenkombination werden keine „Geistereingaben“ getätigt, also keine in Wirklichkeit nicht gedrückten Tasten als ausgelöst erkannt.
In Sachen Key Rollover (KRO) bestätigt der bekannte Microsoft-Online-Test die Herstellerangabe von NKRO über USB. Dessen Protokoll-Limitierungen werden wie üblich durch zusätzliche registrierte Eingabegeräte umgangen.

Die Windows-Taste ist übrigens deaktivierbar, damit man sich nicht aus Versehen aus einem Spiel schießt. Mir persönlich ist das allerdings auch mit aktivierter Windows-Taste nie passiert; dennoch ist diese Funktion recht beliebt und häufig bei Gamer-Tastaturen anzutreffen.

Systemanforderungen auf der Packung
Systemanforderungen auf der Packung

Cherry gibt auf der Packung als Systemanforderung nur Windows-Systeme (XP, Vista, 7, 8) an. Nach der Durchführung des automatisch startenden Einrichtungsassistenten konnte ich das MX-Board 6.0 aber auch problemlos an meinem MacBook mit OS X 10.10.4 Yosemite verwenden. Auch mit Windows 10 ergaben sich keine Hindernisse.

Spieletauglichkeit und Tippkomfort

Wie immer habe ich auch die Spieletauglichkeit beispielhaft ausprobiert: bei den Games The Witcher 3 und Rocket League gab es keine Beanstandungen zu vermelden – ganz im Gegenteil.

LEDs, MX Red und Cherry-Stabilisatoren.
LEDs, MX Red und Cherry-Stabilisatoren.

Die – wie schon angemerkt große – Handballenauflage (mit 9,5 cm ca. 58% tiefer als z.B.  die einer QPad MK-80) finde ich auch bei längeren Sitzungen sehr angenehm.
Die leichtgängigen linearen roten Schalter sind zum Tippen längerer Texte allerdings nicht jedermanns Sache. Diesen Test z.B. konnte ich aber durchaus damit schreiben. Wie immer gilt hier: Schalterwahl ist persönliche Geschmackssache – und man sollte unbedingt probetippen!

Tastenkappen

Tastenkappen von oben,...
Tastenkappen von oben,…

Ganz deutlich muss gesagt werden: Cherry verwendet beim MX-Board 6.0 eine der am besten lesbaren Schriftarten (fonts) auf einer Tastatur überhaupt. Kompliment!
Die Taste mit dem Cherry-Logo, also den Kirschen, ist dabei schon fast kultig und ein nettes Easteregg.

Wie schon vom MX-Board 3.0 bekannt verbaut Cherry halbhohe Tastenkappen, wodurch die Tastatur insgesamt etwas flacher wird.
Der Klang beim Bottom-out, also beim Aufschlagen der Tastenkappe auf die Metallplatte wird dadurch auch verändert: er wird etwas höher und weniger saftig. O-Ringe können weiterhin verbaut werden.

...von unten...
…von unten…

Wie bei beleuchteten Tastaturen üblich sind die zylindrisch profilierten Tastenkappen aus milchig-lichtdurchlässigem ABS-Kunststoff, der lackiert wurde – aus diesem Lack wiederum werden die Legenden herausgelasert. Als Besonderheit ist der Lack beim MX-Board 6.0 nicht schwarz, sondern dunkelgrau. Fingerabdrücke sind nicht ganz so schnell bzw. deutlich zu sehen wie bei anderen beleuchteten Mechas.

In der untersten Tastenreihe finden wir eine 6,25U-Leertaste und unter dieser wiederum Cherry-Stabilisatoren.
Schön ist auch, dass auch die Capslock-Taste nun nicht mehr wie bei gewissen anderen Cherry-Tastaturen eine zentrierte Stemaufnahme hat, so dass dem Anbringen von anderen Tastenkappen nichts mehr im Weg steht.

...und von der Seite.
…und von der Seite.

Fazit: Cherry MX-Board 6.0

Das MX-Board 6.0 ist mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 189 € offenbar auch für eine mechanische Tastatur nicht ganz günstig.
Die RealKey-Technik ist zwar an sich interessant, bietet im Alltag aber keine spürbaren Vorteile. Die Beleuchtung ist im Zeitalter der RGB-LEDs in Mechas auch nicht besonders spannend. Ein wirklicher Kritikpunkt sind die nicht dimmbaren blauen LEDs – hier können wir aber eine verbesserte Revision (MX-Board „6.1“?) erwarten.
Lob hat aber definitiv das Gehäuse und meiner Meinung nach auch das Design verdient. Die Handballenauflage ist von Idee und Gestaltung her ebenso sehr gut, die Ausführung ist aber noch etwas verbesserungsfähig. Die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben und für ein Top-Produkt angemessen.

Wichtiges Merkmal: das Alugehäuse.
Wichtiges Merkmal: das Alugehäuse.

Mit dem MX-Board 3.0 hat Cherry auch eine günstige Empfehlung für Einsteiger im Portfolio, das MX-Board 6.0 richtet sich klar an Enthusiasten. Diese können bedenkenlos zuschlagen, v.a. wenn sie ein tolles Metallgehäuse wollen.

Vielen Dank an die ZF Friedrichshafen AG und TechnikPR für das kostenlose Bereitstellen des Cherry MX-Board 6.0 für diesen Test.

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