Spieletest: Quantum Break

Quantum Break ist das neueste Werk vom finnischen Studio Remedy und exklusiv für Xbox One und Windows 10.
Ich habe lange darauf gewartet und möchte nun hier meine Eindrücke und Erfahrungen mit dem Spiel schildern.

Ja, hier bei Mecha-Blog.de geht es eigentlich um mechanische Tastaturen und Zubehör, aber es ist auch eine Plattform für Community-Austausch, bei einer Gemeinschaft mit sehr vielen Gamern –  und ich hatte einfach Lust einen Spieletest zu diesem Videogame zu schreiben 😉

Schon auf der Gamescom 2014 und 2015 habe ich mir gedacht „das muss ich spielen“. Wirklich gespielt habe ich es als Vorbesteller dann ab dem Releasetag (05.05.2016) auf meiner Xbox One mit dem Elite Controller.

Grafik und Technik

Quantum Break ist (auch) ein Deckungsshooter.
Quantum Break ist (auch) ein Deckungsshooter.

Auch wenn das Spiel auf der Konsole „nur“ in – allerdings auf sehr clevere Weise – hochskaliertem und vielgeschmähten 720p (vier 720p-Buffer mit 4xMSAA) läuft: Auflösung ist nicht alles, keineswegs. Es sieht fantastisch aus!

Selten brauchen ein paar Texturen etwas zu lange zu laden (pop-in), sind aber sonst knackscharf. Kantenflimmern sucht man dank gutem Anti-Aliasing vergebens, die Frameraten sind nach meinem persönlichen Eindruck sehr stabil.
Die Effekte sind bombastisch, gerade wenn von einer Explosion o.ä. herumfliegende Teile in der Zeit eingefroren sind. Die Beleuchtung ist ebenso gut gelungen, auch wenn die Schatten selten etwas wenig detailliert wirken.
Die Screenshots in diesem Artikel wurden übrigens direkt auf der Xbox One erstellt.

Extrem gut und realistisch sind auch die Gesichter gelungen, was u.a. am exzessiven Motion/Face Capturing bei der Produktion liegt. Insgesamt finde ich die Charaktermodellierung hervorragend.
Wirkliche Bugs sind mir zudem keine aufgefallen, nur an einer Stelle gab es einen Kamera-Clippingfehler. Ärgerlich sind aber die teils doch langen Ladezeiten für Levels.

Manchmal ist das Auto-Aim etwas eigensinnig, es kann aber auch komplett deaktiviert werden.
Mit der Qualitätskontrolle würde ich trotz all dem Lob doch noch reden wollen: die Speicherpunkte sind teilweise (gerade in Akt 3) ungünstig verteilt, so dass auch unnötige Ladezeiten entstehen. Sowas muss doch bei einem Playtest auffallen!

Gameplay und Schwierigkeit

Zeiteffekte werden eindrucksvoll dargestellt.
Zeiteffekte werden eindrucksvoll dargestellt.

Es gibt drei Schwierigkeitsstufen, die man im Spiel auch wechseln kann.
Wirkte es bei meinem ersten Spieldurchgang auf mittlerer Stufe („normal“) mir persönlich noch fast zu leicht, war der Bosskampf am Ende von Akt 5 dann doch recht herausfordernd.

Ohne die Zeitfähigkeiten von Jack Joyce würde es sich bei Quantum Break lediglich um einen soliden Deckungshooter handeln. Es gibt einige verschiedene Waffen und Gegnertypen, welche sich nicht allzu intelligent aber auch keineswegs wirklich dumm anstellen.

Interessant und echt unterhaltsam werden die Schusswechsel aber erst durch die verschiedenen Spezialfähigkeiten, wie das eigene Schutzschild oder das Einfrieren von Gegnern.
Um diese Fähigkeiten zu aufzurüsten muss der Spieler „Chronon-Quellen“ sammeln. Ist anfangs der Einsatz dieser Fähigkeiten noch unnötig, kann es schon sein dass man gegen Spielende ohne Verbesserungen Schwierigkeiten in den Kämpfen hat.

TV-Serie und Schauspieler

Remedy und Sam Lake waren schon quasi immer – spätestens mit Alan Wake deutlich zu sehen – stilistisch orientiert an Filmen und Serien.
Bei Quantum Break kommt dabei ein innovatives Konzept (das nicht nur längere Spielzeit bietet als die oft genannte Konkurrenz The Order: 1886 auf der PS4 ;)) zum Einsatz, welches eine Live-Action-Serie mit einem Videospiel zusammenbringt: das Spiel ist Remedy-typisch in fünf einzelne Akte unterteilt, wobei dazwischen jeweils eine TV-Episode fällig ist. Spielt man im Spiel den Helden Jack Joyce, so dreht es sich in der Serie um die Vorgänge bei den Antagonisten rund um die Firma Monarch Solutions.

Positiv hervorzuheben sind die beiden Schauspieler Lance Reddick (bekannt z.B. aus Bosch, Lost) und Aiden Gillen (Game of Thrones, The Wire), die die Charaktere Martin Hatch und Paul Serene überzeugend und eindrucksvoll verkörpern. Deren Kollegen liefern leider aber teilweise weniger überzeugende, eher mittelmäßige Arbeit.

Die Live-Action-Serie transportiert gut die Stimmung des Spiels, leidet aber unter „shaky cam“ (wackelnder Kamera), unrealistischen Action-Szenen und streckenweise einfach seltsamer Beleuchtung. Die Computergrafikeffekte (CG) sind meist gut gelungen, an seltenen Stellen aber negativ auffällig.
Es wird einfach deutlich, dass das Budget unter dem einer Topserie von z.B. HBO oder Netflix liegt.

Im Spiel kann man sogenannte Quantum Ripples auslösen, indem man bestimmte Gegenstände findet. Auf solche werden dann (und nur dann) in der Serie auf verschiedene Arten Bezug genommen.
Der Bruch zwischen TV-Serie und Spiel ist insgesamt überraschend gering, beides geht ergänzend Hand in Hand. Das Konzept geht also voll auf.

Auf der Xbox One kann man alle Serienepisoden in FullHD-Auflösung (1080p) vollständig herunterladen und speichern, was 75GB auf der Festplatte der Konsole beansprucht. Bei der Windows-10-Verson kann nur gestreamt werden, allerdings mit bis zu 4K-Auflösung.
Ich habe mich trotz nervtötend langsamem DSL 16000 auf der Xbox mangels Speicherplatz für Streaming entschieden. Bevor die einzelnen Episoden begannen gab es jeweils eine kurze Buffering-Phase, danach liefen sie aber in makelloser Bildqualität ohne Ruckler oder Pausen durch.

Story und Erzählung

Storyelemente und Collectibles verändern sich je nach getroffener Entscheidung.
Storyelemente und Collectibles verändern sich je nach getroffener Entscheidung.

Kommen wir nun zur eigentlichen Stärke: der dichten, tollen Atmosphäre. Die Story an sich ist vielleicht nicht die allercleverste, aber sie funktioniert gut, ist spannend erzählt und handwerklich sicher und gut gemacht. Auch gibt es mehrere kleine und große Eastereggs mit Bezug auf Remedys beliebtes Spiel Alan Wake (Xbox 360, Windows-PC).
Die Erzählgeschwindigkeit (Pacing) ist angenehm und ausgeglichen – hier hatte Alan Wake vor allem im letzten Akt ja Kritik einstecken müssen.

Am Ende eines jeden der fünf Akte ertönt nicht nur Popmusik, sondern es gibt auch jeweils eine sogenannte Junction (engl. für Abzweigung, Kreuzung, Knotenpunkt). D.h. der Spieler schlüpft kurz in die Rolle von Paul Serene, dem Chef von Monarch, und muss eine von zwei Optionen auswählen. Diese Wahl beeinflusst den Spielverlauf über den nächsten Akt hinaus: die Schauplätze bleiben gleich, aber einzelne Ereignisse und Personen verändern sich. Größeren Niederschlag findet die Entscheidung in den TV-Episoden.
Hat man seine Wahl getroffen, verrät einem das Spiel zudem, wie viel Prozent der bisherigen Spieler ebenso entschieden haben.

In jedem Akt bzw. Teil jeden Aktes sind E-Mails, Audioaufnahmen und weitere optional sammelbare Zusatzinformationen verteilt, die der Story Hintergrund und Tiefe verleihen und so deutlich mehr als nur einfache, langweilige Collectibles sind.
Es lässt sich übrigens eine nett gestaltete Timeline aufrufen, die einen Überblick über die gefundenen Gegenstände, und Ripples sowie die Entscheidungen an den Junctions bietet

Ein zweites Durchspielen lohnt sich meiner Meinung nach auch. Ich habe durchaus Details entdeckt, die ich vorher übersehen hatte bzw. deren Bedeutung erst im späteren Spiel-/Serienverlauf klar wurde. Und natürlich wollte ich sehen, was sich mit einer anderen Entscheidung an einer Junction ändert.

Fazit: Quantum Break

Kurz gesagt: Quantum Break ist ein empfehlenswertes Spiel mit großen Stärken und kleinen Schwächen. Die Spielzeit ist auf jeden Fall angemessen.

Für Fans von Alan Wake bzw. Remedy ist es eh klar: kaufen und spielen. Besitzer einer Xbox One sollten meiner Meinung nach auch auf jeden Fall zuschlagen.
Hat man einen gamingtauglichen PC mit Windows 10 sollte man noch etwas warten, bis ein Patch erscheint, der die Situation hier verbessert. Dann aber wird man wohl auch als Mecha-Zocker zugreifen können.
Aber extra für Quantum Break eine Xbox One kaufen? Das halte ich dann doch für übertrieben bzw. unnötig.

3 Gedanken zu „Spieletest: Quantum Break“

  1. >Die Story an sich ist vielleicht die allercleverste, aber sie funktioniert gut, ist spannend erzählt und >handwerklich sicher und gut gemacht.

    Ist der Satz so gewollt?

    Antworten

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