Monogamie ist keine Mecha-Tugend

Es wird langsam dunkel, als ich mich in der Hipster-Bar meines Vertrauens niederlasse. Jazzmusik begleitet den Abend. Wäre ich ein echter Hipster, hätte ich meine Schreibmaschine dabei. Ich aber stehe auf Mechas.

So sitze ich da, mein Happy Hacking Keyboard vor mir, Type-S, versteht sich. Es ist nicht angeschlossen, das würde nur ablenken. Ich tippe einfach. „Je t‘aime“ möchte ich schreiben, finde aber den Apostroph nicht. „Ich liebe dich“ muss also reichen.
Der Stuhl mir gegenüber ist leer. Wer braucht schon Freunde, wenn er die Liebe seines Lebens gefunden hat? Meine Berührungen lassen ihr tockenes Herz höher schlagen. Der schweigsam liebkosende Tanz im Takt der Liebe lässt uns in unseren eigenen Rhythmus verfallen. Was kann uns beiden schon passieren?

HHKB Type-S: Die große Liebe.
HHKB Type-S: Die große Liebe.

Lautstarke Verschwiegenheit

Ja, denke ich in verträumter Selbstbestätigung, was? Doch dann kommt sie. Durch den geöffneten Türspalte sehe ich noch, wie der Wind einen Hauch von Schnee durch die Straßen trägt, als sie die Bar betritt.
Sie ist anmutig, zurückhaltend aber doch nicht verschlossen. Als ihr Blick mich trifft, zeichnet sich auf ihrem Gesicht ein kaum merkbares, beinahe kokettes Lächeln ab, glaube ich. Es hätte genauso eine optische Täuschung sein können. Und wenn, denke ich, soll sie mich doch täuschen! Charme und Eleganz sind ihr wie ein Pelzmantel um den Hals gefallen.
Wortlos begibt sie sich an einen freien Platz am Ende der Bar. Der Kellner kommt, sie bestellt einen doppelten. Scheiße, denke ich, Doubleshots; ich muss sie kennenlernen.

Schweigsame Lautstärke

Ist laut und bestellt gerne Doubleshots: meine geliebte Ducky mit MX-Blues.
Ist laut und bestellt gerne Doubleshots: meine geliebte Ducky mit MX-Blues.

Ihr Lächeln wird konkreter, als ich mich zu ihr setze. Wir reden nicht viel. Wenn ich so darüber nachdenke, haben wir eigentlich gar nicht geredet. Ich habe mich in ihren Augen verloren. Blau waren sie.
So sitze ich also bei ihr und sehe sie an und sie mich und der Abend wird langsam spät und beide denken wir: lass uns tippen. Und wir tippen. Sie ist laut, sehr laut, aber das stört mich nicht. Im Gegenteil, ich liebe es. Versteh mich nicht falsch, das Type-S hat auch seinen Reiz. Aber diese deutliche Resonanz, wenn du ihn reindrückst, den Finger meine ich, das hat was.

Der Morgen danach

Monogamie ist keine Mecha-Tugend!
Monogamie ist keine Mecha-Tugend!

Ich weiß gar nicht mehr, wie lange wir getippt haben. Es muss verdammt spät gewesen sein; ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wie ich ins Bett gekommen bin. Ich stehe auf und gehe zu meinem Schreibtisch. Dort stehen sie also, die zwei Schönheiten.
Die eine, klein, kompakt, leise. Die andere groß und laut, aber immer noch anmutig. Ich wüsste nicht, welcher ich das Ja-Wort geben sollte. Gut, dass ich das nicht muss. Gut, dass keine von beiden sauer auf mich ist. Gut, dass ich beide haben darf. Denn Monogamie ist wahrlich keine Mecha-Tugend.

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