Luxusprobleme! – oder: Warum Mecha? Ein Kommentar.

Ja liebe Leser, es geht weiter mit den „opinion pieces“ auf Mecha-Blog.de. Nachdem ich mich letztes mal zu Kaufberatungen und Fallstricken bei der Suche nach der richtigen mechanischen Tastatur geäußert habe, soll es nun um ein noch heikleres Thema gehen: Warum überhaupt eine Mecha?Luxusprobleme

Auch in vielen Foren kommt diese Frage immer wieder auf, gerade bei Tests und Reviews. Da rufen dann auch manche: „Luxusprobleme!“ Gerechtfertigt?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren Jein beantworten 😉

Klar, für uns Freunde mechanischer Tastaturen sind die Vorteile offensichtlich: besseres (und konstantes!) Tippgefühl, Langlebigkeit, gute Verarbeitung, oft einfaches Modden usw.
Viele andere sehen zuallererst aber das Preisschild. Und das schreckt dann doch oft ab, wenn da gerne mal Beträge wie 150 oder 180 Euro zu finden sind – oder gar mehr.

Warum sollte jemand also so viel Geld hinlegen, wenn jede 5€-Rubberdome das gleiche kann, nämlich Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen lassen?
Ich frage entgegen: warum gibt jemand 300 oder 400 Euro für eine Grafikkarte aus, aber nicht mal ein Drittel für das Haupt-Eingabegerät, das sogar potentiell viel länger halten wird? Vermutlich weil ihm oder ihr flüssiges Spielen neuer Titel auf ansehnlichen Einstellungen wichtig ist. Aber das Tippen?
Ich habe auch eine potente Grafikkarte in meinem PC, aber ich spiele bei Weitem nicht jede Minute, die ich an ihm verbringe. Mir ist auch der Monitor wichtig, weil ich den jedes Mal ansehen muss, wenn ich den Computer benutze. Deswegen ist es ein IPS-Gerät. Mir ist auch die Maus wichtig, weil ich die jedes Mal anfasse und bewege, wenn ich den Computer benutze. Deswegen ist sie leicht und mit einem guten optischen Sensor ausgestattet. Und mir ist auch die Tastatur wichtig, weil ich die jedes Mal anfasse und immer auf ihr tippen muss, wenn ich den Computer benutze. Deswegen ist es eine mechanische. Kurz: die Eingabegeräte sind essentiell.
(Ja, einige Rubberdomes fühlen sich neu auch nicht schlecht an. Aber dann geht es leider schnell bergab. Das Gefühl auf einer Mecha zu tippen bleibt hingegen. Passender blöder Spruch: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“)

Nun gibt es auch Zeitgenossen, die erkennen da trotzdem keinen Unterschied zwischen Rubberdome und Mecha – oder es ist ihnen schlicht egal. Auch das kann und muss man als Fan mechanischer Tastaturen respektieren. Verstehen und nachvollziehen vielleicht nicht, aber anerkennen und zulassen.
Genauso wünsche ich mir, dass diese Menschen auch anerkennen und respektieren, dass wir (mal mehr, mal weniger) gerne bereit sind, einen gewissen Aufpreis für das richtige Gefühl zu zahlen.
Manchmal entwickelt sich die Suche nach dem perfekten Tippgerät auch zu einer Art Sucht, aber das ist eine andere (unendliche) Geschichte…

Naja, eigentlich nicht. Das gehört hier schon dazu. Ich kenne Leute, die mit ihrer Rubberdome unzufrieden sind, denen man eine Mecha empfielt und die dann damit glücklich sind – und fertig. Andere aber sind dann zwar glücklich – aber nichts mit „und fertig“, dann geht es erst los. Dann sucht man weiter, probiert, wechselt Kappen, moddet, hat mehrere Keyboards. Mechas werden zum Hobby. (Passender blöder Spruch: „Der Weg ist das Ziel.“)
Und bei einem Hobby setzt das rationale Denken manchmal scheinbar aus 😉

Ist das ganze also nur ein Luxusproblem? So gefragt: ja. Genauso wie ein schneller Prozessor Luxus ist. Oder ein neuer VW gegenüber einem Tata. Ein guter Kopfhörer gegenüber mitgelieferten In-Ears.
Und wie bei vielen Luxusgegenständen landet man irgendwann bei diminishing returns und somit beim wahren Luxus. Scherzhaft meinte ich heute bei einer Unterhaltung unter Mecha-Bloggern: „Ich hab jetzt eh beschlossen, dass Mechas nicht mehr hochwertig genug sind… Ich brauche jetzt einen Montblanc 149 [Füllfederhalter].“ Als Antwort bekam ich zu hören: „Musste heute erstmal die Karre fit kriegen, da sind das alles Luxusprobleme.“
Was lernen wir daraus? Man kann es immer übertreiben; und: Perspektive ist alles. Mancherorts wäre man wohl über irgendeinen Stift oder überhaupt irgendeinen Computer froh.
Und hier entwickeln sich die Ansprüche eben weiter. Wo die persönliche Kosten/Nutzen-Grenze ist, muss jeder selbst wissen – bei Hobbys darf dieser Bruch ja oft sehr groß werden.

Zum Glück kann ich auch beim Schreiben eines Beitrags beim Mecha-Blog einem meiner Hobbys (ja, im Deutschen nicht „-ies“) frönen: mechanischen Tastaturen.

In diesem Sinne: Vielen Dank für’s Lesen und noch viel Spaß bei euren Hobbys!

Nachtrag 15.02.2015

Aus aktuellem Anlass:

Ja, „früher“ gab es keine Rubberdomes. Diese wurden eingeführt, um Tastaturen billiger herzustellen. Betrachtet man die Preise einer mechanischen Tastatur damals und vergleicht sie unter Einbeziehung wichtiger Faktoren wie Inflation („1€ = 2DM“ gilt nicht mehr) mit den heutigen, wird man feststellen: mit ähnlichen Eigenschaften ist der Preis gleich oder günstiger. Man denke an das Cherry MX-Board 3.0 oder die G80-3000. Also nein, auch früher waren Mechas nicht günstiger – nur heute sind sie in mehr Variationen mit mehr Funktionen und in höherer Qualität (man denke nur mal an RGB-Beleuchtung, Stahlplatten, Alugehäuse usw.) erhältlich, was natürlich den Preis dieser Modelle steigert.

Warum sind mechanische Tastaturen überhaupt so teuer? Nun, klarerweise will jeder Händler und Hersteller Gewinn machen.
Aber allein der Einkauf der Schalter selbst ist schon teuer, was nicht zuletzt an Cherrys strenger Qualitätssicherung (QS) liegt. Da merkt man dann auch schnell, warum Klone günstiger sind. Topre-Schalter sind noch teurer.
Weitere Kosten sind: weiteres Material (Stahlplatte, Gehäuse, PCB, Controller, LEDs, Tastenkappen, Gehäuse), Entwicklung, Zusammenbau, Vertrieb, Marketing, Support. So braucht man für die Beleuchtung einer mechanischen Tastatur so viele LEDs wie Tasten vorhanden sind. Bei einer Rubberdome reichen hingegen zwei bis vier.
Und zu guter Letzt: Angebot und Nachfrage – oder „der Markt“. Auch wenn Mechas nach und nach wieder (leider?) zum Mainstream hin finden, sind sie weiterhin Nischenprodukte. Speziell Matias oder Topre haben noch geringere Stückzahlen als Produkte mit Cherry-Schaltern.

4 Gedanken zu “Luxusprobleme! – oder: Warum Mecha? Ein Kommentar.

  1. Nicht zu vergessen der Gesundheitsfaktor:
    Bei uns in der Firma arbeiten teilweise die Hälfte der Mitarbeiterinnen im Büro mit verbundenen Handgelenken. Warum? Die Tastaturen an denen sie schreiben haben beim Media Markt 7€ gekostet…
    Und spätestens wenn es an die (langfristige!) Gesundheit geht, werden viele Beträge schnell belanglos.

    • Da bin ich auch schon gespannt auf die Matias Ergo Pro.
      Aber schlechte Ergonomie kann einem auch bei einer Mecha passieren, da kommt’s ja nicht nur auf die Schalter an, sondern auf die Handballenauflage, Anstellwinkel usw. Immerhin, wenn man sich mit Mechas beschäftigt bzw. generell mal mehr ausgibt, dann macht man sich hoffentlich auch mehr Gedanken und findet so das richtige.

  2. Große Klasse der Artikel, weitesgehend neutral geschrieben (war bestimmt nicht soo leicht^^). Denke den werde ich mal herumreichen, wenns denn mal wieder um die Diskussion Rubber oder Mecha geht.

    Gruß

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