Gaming-Mechas für Gamer?

Auf vielen Webseiten, in Foren und in zahlreichen Elektromärkten trifft man auf sie: mechanische Tastaturen für Gamer. Diese Verknüpfung entsteht also direkt in den Köpfen vieler.
Aber sind mechanische Tastaturen automatisch Gaming-Tastaturen? Muss eine Gaming-Tastatur immer eine Mecha sein?

Sog. Gaming-Tastaturen, also Tastaturen für Spieler, gibt es zuhauf. Was in letzter Zeit immer mehr auffällt: teure, extravagant designte, mechanische Tastaturen (Mechas) scheinen dabei an vorderster Front zu stehen.
Freilich sind sie nicht die einzigen Tastaturen oder gar Eingabegeräte, die sich an PC-Spieler richten: neben den Gamepads, Joysticks und Mäusen diverser Preis- und Qualitätsklassen existieren auch Rubberdome-Tastaturen für Gamer. Diese zeichnen sich auch oft durch ein auffälliges Erscheinungsbild aus, meist mit technisch-martialischen Formen und spektakulärer Beleuchtung.

Also nein, nicht jede Gaming-Tastatur ist automatisch eine Mecha. Und man braucht auch nicht unbedingt eine mechanische Tastatur, um gut spielen zu können. Aber Mechas bieten eben doch unbestreitbar etliche Vorteile (siehe auch: „Warum Mecha?“).
Aber auch nicht jede mechanische Tastatur ist eine Spieler-Tastatur. So ist z.B. die Matias Ergo Pro eine ergonomische, die sich an Vielschreiber richtet.

Wie also kommt dieses häufige Missverständnis zustande?

Gaming vs. „Gaming“

Razer BlackWidow Chroma mit RGB-Beleuchtung.
Razer BlackWidow Chroma mit RGB-Beleuchtung. Zielgruppe: Gamer.

Die Antwort in einem Wort: Marketing.
Oder etwas ausführlicher: mechanische Tastaturen waren lange Zeit fast ganz verschwunden, nicht zuletzt aufgrund der hohen Produktionskosten. In die Phase der Wiederentdeckung fällt offensichtlich auch die Erkenntnis, dass man mit Mechas auch gut zocken kann.

Tastaturhersteller wollen sich natürlich von der Konkurrenz absetzen und preisen so natürlich die (vermeintlichen) Vorteile ihrer Produkte an. Da kam das wiederaufflammende Interesse an mechanischen Schaltern gerade recht, zumal sich bei den Mechas besseres KRO-Verhalten (s.u.) leichter implementieren lässt.
Also wurden wir mir einer neuen Spezies der Tastatur beglückt: der mechanischen Gaming-Tastatur. Nach der nicht so extrem erfolgreichen Raptor K1 (quasi eine Cherry G80-1800 mit 6KRO) trat dann 2010 die bekannte Marke Razer auf den Plan. Dies kann als Beginn des „Hypes“ gesehen werden. Seitdem reiten immer mehr mehr oder weniger bekannte Marken auf dieser Welle: unter anderem Corsair, Logitech, Rapoo (auch unter dem Namen „Vpro“), Roccat und Steelseries.

Getestet haben wir z.B. die Razer BlackWidow Chroma, die QPad MK-80, die Tesoro Lobera Supreme. Meist haben diese Modelle eine interessante Optik und Tastenbeleuchtung, wie eben für andere an Gamer gerichtete Produkte üblich.

"Gaming"-Tastatur CoolerMaster Novatouch TKL.
CoolerMaster Novatouch TKL. Auch eine „Gaming“-Tastatur.

Als Tastatur für Spieler wird aber z.B. ebenso die CoolerMaster Novatouch vermarktet, die über keinerlei Beleuchtung verfügt und auch ziemlich schlicht aussieht.
Damit hätten wir die zweite Kategorie: „Gaming“-Tastaturen, oder Pseudo-Gaming-Tastaturen. Die Grenzen sind freilich fließend, aber diese Tastaturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eben nicht auffällig gestaltet sind und auf manche Features verzichten, die sonst die Zocker-Produkte ausmachen (z.B. Beleuchtung, Makro-Software). Beworben werden sie trotzdem mit dem Schlagwort „Gaming“, einfach weil es sich gut macht und die Kundschaft ohnehin schon mechanische Tastaturen mit Spielen verbindet. Außerdem sind Spiele-Enthusiasten oft bereit, mehr Geld für Ausstattung auszugeben, die ihnen echte oder eingebildete Vorteile beim Zocken bringt.
Das macht nun diese Mechas nicht weniger spieletauglich, was auch unsere Reviews zeigen – jede Tastatur wird mit mindestens einem PC-Game probegespielt.

Aber auch etliche andere Keyboards sind für den Einsatz am Zocker-PC geeignet – es muss nicht „Gaming“ draufstehen!

Relevanz

Der Begriff „Gaming“ selbst ist also auch für Spieler nicht wirklich relevant.

Wichtig ist hingegen zumindest für manche Spiele, gerade Jump’n‘ Runs oder schnelle Shooter, das sog. Key Rollover (kurz „KRO„, fälschlicherweise auch oft „Anti-Ghosting“), d.h. wie viele gleichzeitig gedrückte Tasten mindestens auch erkannt werden.
Hier schneiden Rubberdomes häufig nicht so gut ab, denn meist liegt entweder gar keine Optimierung oder nur eine Optimierung um die WASD-Tasten vor, was praktisch immer auf 2KRO hinausläuft. Spielt man auf ESDF kann man so schnell Probleme bekommen, dass Tastendrücke nicht erkannt werden – und man so im Spiel z.B. in die falsche Richtung springt. Bei billigen Tastaturen kann dies auch gerne mal schon um WASD vorkommen.

Den Anschlag sicher zu spüren, wenig Auslösewiderstand zu haben usw. sind auch je nach Person relevante Eigenschaften einer guten Tastatur. Mechanische Tastaturen bieten hier den Vorteil einer definierten Charakteristik, die sich auch über die Lebensdauer nur sehr, sehr langsam ändert.

Infos für Einsteiger bzw. zum Nachschlagen findet ihr in der Sektion Grundlagen. Dort gibt es u.a. Artikel über die verschiedenen Schalter (Buckling Springs, Cherry MX, Kailh/Razer, Matias und Topre) und allgemeine Tipps zur Kaufberatung, die selbstverständlich auch für Gaming-Mechas gelten.

Fazit

Auch wenn man als Gamer eine gute Tastatur sucht, sucht man primär eine gute Tastatur an sich.
Lasst euch also nicht vom reinen Marketing blenden, sondern lest lieber ein paar Tests, probiert selbst aus und lasst euch gerne auch beraten (gerne hier in den Kommentaren oder auch in Foren wie Computerbase).

3 Gedanken zu “Gaming-Mechas für Gamer?

  1. Interessante Ansicht hast du da.
    Mir ist auch schon aufgefallen, dass es einige Produkte gibt, welche Gaming schon fast im Namen haben, jedoch keine Zusatzfunktion bieten, welche für echte Zocker sinnvoll ist.
    Sehr anregend der Artikel. Werde mich mal weiter auf dem Blog umsehen. (;

  2. Spannender, schöner Beitrag. Mich selbst regt besonders das permanente falsche nutzen von Anti-Ghosting/KRO auf! Wahrscheinlich viel Marketing einfach.
    Meine Nächste Tastatur wird auf jeden Fall eine mechanische. Nur was für eine ist die Frage, mittlerweile ist der Markt ja ganz schön groß und es gibt deutlich mehr als nur „Logitech“…

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