Floating Keys: echtes Metallgehäuse?

„Ich will eine Tastatur mit Metallgehäuse“ – „Diese hat aber keines“ – „Aber außen ist doch Metall?“ – „Das ist nicht das Gehäuse“.
So oder so ähnlich laufen manche Kaufberatungen zu mechanischen Tastaturen in Foren ab. Dabei geht es um Tastaturen mit sog. „floating keys“ und dass sie nicht wirklich ein echtes Metallcase haben. Was es damit auf sich hat, erklären wir hier.

Floating Keys

Mit „Floating keys“, zu Deutsch etwa „schwebende Schalter“, ist die Bauart mechanischer Tastaturen gemeint, bei denen die Schalter (switches) mehr oder weniger zu schweben scheinen, weil um sie herum kein weiteres Gehäuse existiert. Oft ist die Oberseite des effektiven Gehäuses dabei aus Metall (z.B. aus Aluminium bei der Corsair K70).
Aber warum ist das jetzt denn kein echtes Metallgehäuse?

Folgende schematische (natürlich nicht maßstabsgetreue) Zeichnung verdeutlicht den Sachverhalt:

Schaubild
Schematisches Schnittbild (nicht maßstäblich): Standard-Mecha links, Floating-keys-Tastatur rechts
keine Floating keys
Von der Seite sind PCB und Metallplatte gut zu erkennen: Ducky Shine 4

Bei beiden Varianten sind die Schalter auf einer Metallplatte angebracht („plate mounted“) und natürlich mit dem PCB verbunden.
Bei den floating keys (rechts) allerdings gibt es darüber kein Gehäuse. Bei z.B. der K70 von Corsair ist diese Metallplatte zudem nicht aus Stahl (harte Eisen-Kohlenstoff-Legierung), sondern dem weniger festen Leichtmetall Aluminium.
Bei sozusagen „normalen“ mechanischen Tastaturen (die Metallplatte ist mittlerweile fast Quasistandard, obwohl immer noch Modelle ohne plate existieren) gibt es über der Metallplatte noch ein Gehäuse.

keine floating keys, zwei Metallplatten
Das Keyboard 4: das obere Gehäuse ist als zusätzliche Metallplatte ausgeführt.

Fast immer ist dieses aus einem Kunststoff – Mechas mit „echtem“ Metallgehäuse sind selten und dann recht teuer.
Für manche Modelle gibt es aber Gruppenkäufe (group buys) in der Community, um Metallgehäuse oder -oberseiten herstellen zu lassen. (Mecha-Blog führt derzeit so ein Projekt zur CoolerMaster Novatouch und Rapid-i durch.)

Konsequenzen

In der Theorie hat also eine Mecha mit floating keys eine geringere Festigkeit gegen Durchbiegen und/oder Verwinden, da einfach eine Materialschicht fehlt.
In der Praxis aber hängt diese Eigenschaft auch von vielen anderen Faktoren ab, z.B. der genauen Materialwahl (welches Metall, welcher Kunststoff), der Wandstärke (Materialdicke), der geometrischen Form (z.B. Stützstellen, Verstrebungen, Winkel) und der Größe der Tastatur (60%, TKL, 100%).

Zudem steht am Ende immer die persönliche Präferenz: manch einem gefällt so eine Aluoberseite einfach haptisch und optisch besser im Gesamtpaket. Viele wollen auch nur einen bestimmten Betrag ausgeben. Oder es ist gerade das Design mit den floating keys, das den Käufer überzeugt.

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