AutoHotkey – Einführung und Tutorial

Wer beginnt, sich mit dem Thema mechanische Tastaturen auseinanderzusetzen, wird nach kurzer Zeit feststellen wie schwer es doch ist sein gewünschtes Modell mit dem gewünschten Layout zu bekommen. Viele gehen Kompromisse ein, da sie es sich nicht vorstellen können auf US-ANSI oder dergleichen zu wechseln. Diese Angst möchten wir ein wenig nehmen und beschreiben nachfolgend ein paar verschiedene Möglichkeiten damit klarzukommen.

Möglichkeit 1:

Wer damit leben kann, dass die Beschriftung der Caps nicht mit der Ausgabe am Bildschirm übereinstimmt, hat es am leichtesten. Das am Rechner eingestellte Layout wird dann auf alle Tastaturen projiziert. Das bedeutet, dass man auch bei US-ANSI seine gewohnten Umlaute an der alten Stelle findet (auch wenn diese nun mit Strichpunkt, Doppelpunkt etc. beschriftet sind).

Jeder, der oft an fremden Arbeitsplätzen arbeiten muss, sollte sich diese Methode anschauen. Man erspart sich hier die oftmals schwere Umstellung zwischen verschiedenen Layouts.

Leider verspielt man damit den oftmals gewünschten Vorteil der anderen Tastenbelegung. Gerade Programmierer die sich einmal an das schnelle und einfachere Erreichen von Klammern und Satzzeichen gewöhnt haben, möchten selten wieder darauf verzichten.

Möglichkeit 2:

Seine Gewohnheiten vergessen. Seid bereit für neues. Gebt euch selbst ein paar Wochen Zeit um mit dem Layout vertraut zu werden. Gerade zu Beginn ist es oftmals ein kleines Suchspiel das passende Sonderzeichen mit den benötigten Tastenkombinationen herauszufinden. Diese Arbeit wird aber für den ein oder anderen durch die bessere Erreichbarkeit von Sonderzeichen belohnt.

Die am häufigsten gestellte Frage ist wohl die nach den deutschen Umlaute oder Buchstaben wie ß. Was macht man damit?
Viele haben nachgegeben und irgendwann damit begonnen „Kreuzworträtselschrift“ zu fabrizieren. Ä wird zu AE und so weiter. Sieht auf den ersten Blick schlimm aus und lässt sich auf den zweiten Blick noch schlimmer flüssig lesen (Meine Meinung!). Um dies zu umgehen kann mit sogenannten ANSI-Codes arbeiten. Hier findet ihr eine Tabelle.
Diese werden mit gedrückter „Alt“-Taste einfach eingegeben. Danach erscheint das gewünschte Symbol. Auch eine Variante, leider ein wenig umständlich und beinhaltet die Notwendigkeit Zeichensätze auswendig zu lernen.

Doch was nun, wenn mich keine der genannten Möglichkeiten wirklich glücklich macht? Ich möchte doch einfach das gekaufte Layout nutzen und dennoch per Tastendruck auf Umlaute und andere Gewohnheiten zurückgreifen können.
Kombinieren wir all diese Wünsche, führt kein Weg an ein klein wenig Bastelei vorbei:

Möglichkeit 3: Die Kombination mit AutoHotkey

AutoHotkey, oftmals AHK abgekürzt, ist ein Open-Source Projekt unter GNU License. Es kann also von jedem frei herunterladen und bei Bedarf modifiziert werden. Das Programm findet sich hier.

Mithilfe dieses kleinen Tools lassen sich beliebige Hotkeys auf den Tasten belegen oder gar kleine Scripts beim Druck einer Taste ablaufen lassen. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.
Beispiel: Halte ich beim Druck auf „A“ die STRG-Taste gedrückt, möchte ich ein „Ä“. Kein Problem!

Doch Schritt für Schritt:

Spoiler: Wem das alles zu blöd ist, findet unsere erstellten Scripts am Ende des Beitrags zum Download!

Installation:

Ladet euch am besten den gesamten Installer als .exe Datei herunter und führt das Setup aus. Während der Installation muss der gewünschte Zeichensatz ausgewählt werden. Um später auf deutsche Umlaute zurückgreifen zu können, wählen wir hier UNICODE!
Sollte euer Betriebssystem noch kein 64-Bit System sein, so solltet ihr neben dem Gedanken aufzurüsten auch noch die passende UNICODE 32-Bit Version auswählen.

Auswahl des Zeichensatz
Auswahl des Zeichensatz

Für unsere Zwecke nicht unbedingt benötigt wird der Script Compiler. Dieser bietet die Möglichkeit selbst erstellte Scripts zu einem späteren Zeitpunkt als ausführbare Datei zu speichern.

Auswahl Installation des Compiler
Auswahl Installation des Compiler

Nach Abschluss der Installation öffnet sich die Hilfe, welche dank dieses genialen Tutorials von Mecha-Blog auch gleich wieder geschlossen werden kann 😉

 

Erster Start:

Einen direkten Start, wie man es von anderen Programmen kennt, gibt es bei AutoHotkey nicht. Also nicht wundern, dass selbst ein Klick auf die AutoHotkey.exe im Startmenü lediglich erneut die Hilfe auf den Bildschirm bringt. Wir müssen zuerst etwas erstellen, so dass AutoHotkey für uns arbeiten kann.

Wir öffnen den Editor von Windows. Dieser wird uns in der Zeit der Einrichtung begleiten.

Fangen wir mit einer einfachen Zweitbelegung einer Taste an. In diesem Fall soll beim Druck auf „STRG+a“ ein „ä“ erscheinen.
Wir beginnen in der ersten Zeile zu definieren auf welchen Befehl der Abschnitt reagieren soll. Hier also „STRG+a“:

^a::

„^“ Steht für das gleichzeitige Drücken der Strg-Taste. Die Taste danach stellt unser „a“ dar und kann nach Belieben ausgetauscht werden. Die beiden Doppelpunkte symbolisieren den Abschluss unserer Eingabe.

Die zweite Zeile beschreibt die gewünschte Aktion beim Erhalt des Befehls. Da es sich in diesem ersten Beispiel um eine normale Ausgabe handelt, nutzen wir den Befehl Send. Es wird also etwas an die Ausgabe gesendet. Danach folgt ein Komma und der gewünschte Buchstabe oder die gewünschte Zeichenfolge. Mit unserem gewünschten ä sieht das so aus:

Send, ä

Abschließen werden wir unser erstes „Script“ mit dem „Return“ Befehl. Zusammengefasst sollte nun folgendes im Editor stehen:

^a::
Send, ä
Return

Um unseren ersten Erfolg betrachten zu können, wählen wir im Editor unter Datei speichern den gewünschten Pfad aus. Den Dateinamen vergeben wir wie gewohnt, hängen allerdings ein .ahk am Ende an und wählen „Alle Dateien“ unter Dateityp. Damit definieren wir, dass es sich hierbei NICHT um eine .txt Datei handelt.

Auswahl Dateityp
Auswahl Dateityp

Im Explorer gefunden, sehen wir unser gerade abgespeichertes Script mit dem AutoHotkey Symbol symbol.

Ein Doppelklick setzt das Script aktiv und platziert das AutoHotkey Icon in den Tray. Ab sofort werden unsere Eingaben umgesetzt. Testen wir es also und erfreuen uns an einem kleinen ä.

Großbuchstaben:

Das kleine ä haben wir erfolgreich auf die a-Taste „gehotkeyed“. Was aber nun mit dem großen Ä?
Einleuchtend wäre die Kombination aus „SHIFT + STRG + A“. ^ stand für STRG, doch welches Zeichens bedienen wir uns für SHIFT? Diese Liste schafft Durchblick.

Wir öffnen unser zuvor erstelltes Script und fügen folgende Zeilen hinzu:

+^a::
Send, Ä
Return

Abermals abspeichern, wird es nicht funktionieren. Wir müssen zuerst das Script neu laden. Das kann mit einem Rechtsklick auf das Symbol im Tray schnell erledigt werden.

Kontextmenü AutoHotkey
Kontextmenü AutoHotkey

Belegen wir uns alle deutschen Umlaute wie oben gezeigt, sieht unsere .ahk-Datei wie folgt aus:

^a::
Send, ä
Return

+^a::
Send, Ä
Return

^o::
Send, ö
Return

+^o::
Send, Ö
Return

^u::
Send, ü
Return

+^u::
Send, Ü
Return

^s::
Send, ß
Return

 

Texte ersetzen:

Eine durchaus nützliche Funktion neben den Hotkeys sind sogenannte „Hotstrings“. Hierbei werden Eingaben von Zeichenketten in Sätze umgewandelt.

Soll beispielsweise nach Eingabe von „mbrtw“ auf dem Bildschirm „Mecha-Blog rulezzz teh world“ stehen, ist diese einfach Codezeile der Schlüssel:

::mbrtw::Mecha-Blog rulezzz teh world

Die beiden Doppelpunkte zu Beginn leiten den Hotstring ein. Die Zeichenfolge dazwischen wird als Trigger genommen. Die Zeichenfolge danach ersetzt dann die zuvor eingegebene Zeichenfolge.

Sinnvolle Beispiele sind der eigene Name, die Bankverbindung, E-Mail oder oder oder. Grenzenlose Möglichkeiten 😉

Schreibt uns doch in die Kommentare wofür ihr AutoHotkey einsetzt oder gebt uns Anregungen für weitere Beispiele die ihr gerne gesehen hättet. Wir freuen uns darauf!

 

Hier das versprochene Stand-Alone-Script von uns zum Download.

 

5 Gedanken zu “AutoHotkey – Einführung und Tutorial”

  1. Danke für die Mühe, haste wirklich gut gemacht und ist außerdem erfrischend spritzig, aber nicht zu spritzig geschrieben 😉

  2. In AHK hab ich für meine ANSI Boards folgendes:

    Caps mit STRG vertauscht
    \ mit backspace vertauscht
    ‚ auf shift + } gelegt
    * auf alt + } gelegt

    Ich kombiniere das mit Möglichkeit 1 dieses Artikels, weil mir das für die Sonderzeichen doch zu blöd ist. Falls ich irgendwann mehr Englisch als Deutsch schreibe, kann ich mir vorstellen, ganz auf ANSI original flavor zu wechseln. 😀

      • Hätte eher gedacht für Standardsätze wie „prepare to meet the Übermensch“ o_O
        Aber da kann man im Englischen ja auch einfach das ü durch ein u ersetzen, das stört keinen. 😀

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